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Welpensozialisierung

1. Einführung

Unsere Welpen sind „bestens sozialisiert“, „im Haus aufgezogen und sozialisiert“, „gut sozialisiert“ oder ähnliches lese ich in den verschiedensten Zeitungen und Zeitschriften.

Was soll das heißen?
Was haben die Züchter denn gemacht, damit sie damit Reklame machen?
Was soll das für den Welpenkäufer heißen?

 

 

Ist das nicht wieder so ein Fachchinesisch, was nur Eingeweihte verstehen?
Und selbst unter den Züchtern stelle ich fest, gibt es höchst unterschiedliche Auffassungen davon, was Sozialisierung von Welpen beinhaltet.

Wie viel Welpen da wohl drin sind?
Wie viel Welpen da wohl drin sind?

Nach entsprechender Befragung der Anzeigenaufgeber kamen folgende Antworten:

– „Wir haben die Welpen im Garten spielen lassen und die haben fremde Menschen kennen gelernt.“ Sonst nichts?“, war meine Frage. „Nein, sonst nichts. Na, hören sie mal, das war viel Arbeit. Was verlangen Sie denn sonst noch?“…

– „Wir haben Kinder und die haben schon für genug Abwechslung gesorgt.“

– „Die Welpen haben sich doch untereinander und die Mama. Dann sind die doch genug sozialisiert. Nicht wahr?“

– „Sozialisiert? Das ist doch etwas Gutes. Das sagt man doch so, damit man Kunden bekommt!“ Meine Frage war dann: „Und was ist das Gute bei Ihnen?

Was haben Sie gemacht?“ “ Die Hunde haben bei mir sogar Radio gehört!“ „Und sonst?“ war meine Frage. “ Na hör’n se mal, ist das nichts?

Die verschiedenen Stimmen und Lautstärken? Jeden Tag 9 Stunden Radio!

Und abends habe ich um die Ecke noch Fernsehen gesehen. Aber das ist für die ja auch nichts anderes als Radio, weil die den Film nicht sehen. Also, insgesamt haben die Welpen täglich mind. 13,5 Stunden Sozialisierung erlebt.“

Und was vermuten Zeitungsleser unter so einer Annoncenaussage?

Hier wieder einige Antworten:

  • „Die Welpen haben mit allen möglichen Menschen und Tieren Kontakt gehabt.“
  • „Die haben Fernsehen gesehen und Radio gehört.“
  • „Die haben vor nichts mehr Angst.“
  • „Dort bekommt man vernünftige Welpen.“
  • „Die sind gut im Haus und nicht im Stall gehalten worden“.
  • „Das heißt, dass keine Käfighaltung stattgefunden hat.“

Langt das? Ist das Sozialisierung? Entspricht die Angabe in der Zeitung nicht Augenwischerei?

Oft, nein, sehr oft erhalte ich Anrufe von Welpenkäufern, die anderswo einen Welpen erworben haben, die offensichtlich mehr oder weniger starke Mängel aufweisen. Das meiste, was ich höre, ist die Tatsche der Ängstlichkeit.

Wenn auch noch die Unwissenheit über Konditionierung bei den Welpenkäufern dazu kommt, dann multipliziert und verfestigt sich die Ängstlichkeit der Welpen zu einem immer anstrengenderen Dauerzustand.

… 9 waren es, obwohl der Tierarzt nur 5 angekündigt hatte
… 9 waren es, obwohl der Tierarzt nur 5 angekündigt hatte

Meist streicheln die neuen Hundebesitzer den „ach so armen Welpen“ und verstärken damit z.B. sein Zittern.

Das Aufzuchtdefizit „Ängstlichkeit“ kann zum allergrößten Teil nicht mehr später ausgeglichen werden. Der Hund muss ein Leben lang damit leben. Oft genug wird – bei entsprechender Behandlung – der Welpe später dann zu einem Angstbeißer.

Damit diese Aufzuchtdefizite bei den Züchtern erst gar nicht entstehen und die Unwissenheit der Welpenkäufer mehr und mehr ein Ende nimmt, schreibe ich diesen Artikel.

Zufriedenheit
Zufriedenheit

2. Grundlagen

Die Definition von Sozialisierung wird so beschrieben:

1. WIKIPEDIA: „Die Sozialisierung (aus dem Latein) ist ein sozialwissenschaftlicher Begriff und bezeichnet die Entwicklung der Persönlichkeit aufgrund ihrer Interaktion mit einer spezifischen materiellen und sozialen Umwelt. Durch sie wird ein Individuum zu einem vollwertigen Teil der Gesellschaft“ (Definition von Sozialisierung im Web).

2. DUDEN: „Prozess der Einordnung des heranwachsenden Individuums in die Gesellschaft und die damit verbundene Übernahme gesellschaftlich bedingter Verhaltensweisen.“

3. heißt kurz und knapp: Gesellschaftsfähig-Machung

Wissenschaftliche Grundlagen:

1. Untersuchung nach Stelzner

2. Untersuchungen nach Appleby, weitere Infos unter www.petbehaviourcentre.com

3. Vorträge in 2007 von David Appleby (MSc CCAB), lehrt und arbeitet am „Pet Behavior Centre“ in England, an der Cambridge University in den USA und an verschiedenen tierärztlichen Fakultäten.

4. Ergänzungen zu den o.g. Vorträgen von Dr. Esther Schalke, Uni Braunschweig und tierärztl. Hochschule Hannover, Institut für Tierschutz und Verhalten.

5. Dr. Dorit Urd Feddersen-Petersen, u.a. hat sie das Buch „Hundespychologie“ Kosmos Verlag, ISBN 3.440-09780-3, geschrieben. (Ethologie)

Die verschiedenen Phasen des Welpen bis zur Abgabe:

Leider gibt es offensichtlich keine einheitliche Einteilung und Benennung der verschiedenen Lebensphasen des Welpen. Fast jedes Buch oder fast jeder Artikel darüber gibt andere Angaben diesbezüglich preis.

Das liegt sicherlich daran, dass es eine rassespezifische Sache ist (die eine Rasse ist eher mit der einen Phase durch, als die andere), eine ernährungsbedingte Auseinandersetzung beinhaltet und auch eine haltungsbedingte Angelegenheit ist, zumal es eine hormonell Bedingung, seitens der Mutterhündin, außerdem noch gibt.

Voller Welpenbauch der Mutterhündin „Yasmin von der Stellerburg“
Voller Welpenbauch der Mutterhündin „Yasmin von der Stellerburg“

Meine Erfahrungen belaufen sich ausschließlich auf Golden Retriever und Collies (Langhaar). Hier stelle ich eine Einteilung in Abstimmung mit verschiedenen Wissenschaftlern auf:

  • Die neonatale Phase geht ca. bis zur zweiten Woche.
  • Die transitionale Phase (auch Übergansphase genannt) geht bis in die dritte Woche.
  • Die Sozialisierungsphase verläuft, je nach Rasse, bis zur 10/16 Woche.
  • Die Juvenilphase schließt sich an bis zur sexuellen Ausreifung.
  • Die soziale Ausreifung erfolgt dann ca. zwischen dem ersten bis vierten Lebensjahr, je nach Rasse.

Zwei wissenschaftlich herausgefundene Aspekte sind für mich als Züchter von entscheidender Bedeutung, auf die ich auch in dieser Artikelserie genauer eingehen will:

  • In der Zeit von der dritten bis zur fünften Lebenswoche der Welpen ist fast ausschließlich der Parasympathikus in Aktion, dann folgt der Sympathikus.
  • Das Neugierverhalten, was es bis ca. zur achten Woche gibt, wird nach und nach überlagert durch das aufkommende Angstverhalten.
  • Der Parasympathikus und der Sympathikus sind Gegenspieler im autonomen Nervensystem.

Der Parasympathikus wird auch als Ruhenerv oder Erholungsnerv bezeichnet. In seiner Aktion sind z.B. Atmung, Herz- und Kreislauf normal entspannt und ruhig. Alles was die Welpen in dieser Zeit in ihren Erlebnispool (Maintenance stimuli) sammeln, wird in den Topf „das ist normal, Gelassenheit ist angesagt, es ist ok“ getan. Selbst ähnliche Dinge und Gegebenheiten werden später abgeglichen und mit in diesen Pool übernommen. Der Parasympathikus aktiviert alles, was mit Entspannung zu tun hat.

Im Gegensatz dazu der Sympathikus, bei dem Aktion angesagt ist. Der Puls steigt, das Herz geht schneller, der Blutdruck erhöht sich und der Kreislauf gerät in „Wallung“. Hier kann Panik mit bleibender Verankerung entstehen.

Wenn also in der dritten bis fünften Woche (sensible Phase) alles das in den Pool der Ruhe und Gelassenheit gelangt, was der Welpe erlebt, wird diese Tatsache ganz entscheidend für das weitere Leben sein. Es ist die entscheidende Phase, ob etwas im Tier sicher ist oder nicht! Darüber werden wir im nächsten Kapitel „praktische Auswirkungen für den Züchter“ sprechen.

„Das Neugierverhalten, was es bis ca. zur achten Woche gibt, wird nach und nach überlagert durch das aufkommende Angstverhalten.“

Dies ist einer der Gründe, weshalb die Welpen mit der achten Woche abgegeben werden sollten. Viele Wissenschaftler allerdings erachten die 7 bzw. die 10 Woche als besser. Für werdende Therapie- und Behindertenbegleithunde ist es erlaubt, dass sie, aufgrund eines tierärztlichen Attestes, bereits mit 7 Wochen abgegeben werden, was ich allerdings erst ein einziges mal seit Beginn dieser Arbeit 1988 erlebt habe.

Ruhe und Zufriedenheit in der Kiste
Ruhe und Zufriedenheit in der Kiste

Je stabiler die Welpen im Nervenkostüm und in ihrer Umweltakzeptanz bei der Abgabe sind, umso besser. Trotzdem gibt es noch eine Menge Arbeit für den neuen Hundebesitzer, denn der Züchter kann nicht absolut alles abdecken.

So muss z.B. das Familien-, Einsatz-, Umwelt- oder Wohnortspezifische neu abgedeckt werden, da es oftmals doch sich erheblich vom Zuchtort und den Möglichkeiten zur Sozialisation die der Züchter hatte, unterscheidet.

Saugwelpe
Saugwelpe

Hier gilt: je mehr der neue Hundebesitzer seinen neuen Liebling überall täglich mit hinnimmt, desto stabiler und ausgeglichener wird der Hund, wenn, ja wenn sich das neue Herrchen nicht ständig um seinen ängstlichen Welpen kümmert, wenn dieser ihm z.B. zwischen die Beine läuft.

Der Welpe erkennt das dann als Bestärkung des letzt Getanen und wird dadurch immer ängstlicher. Hier ist das Ignorieren gefragt und das heißt: den Welpen nicht anfassen, nicht ansprechen und nicht ansehen!!! Der neue Hundebesitzer sollte so reagieren, wie es die Mutterhündin auch täte.

Der Welpe darf zwar zu ihr angerannt kommen, aber sie kümmert sich überhaupt nicht um ihn, ja, sie geht manchmal sogar weg, damit der Welpe das allein bewältigt. So wird der anfänglich etwas ängstliche Welpe zu einem ausgeglichenen erwachsenen Hund, weil er es gelernt hat, jedwede Situation als bekannt gut zu verkraften.

Voller Welpenbauch der Mutterhündin „Yasmin von der Stellerburg“
Voller Welpenbauch der Mutterhündin „Yasmin von der Stellerburg“

Die Hündin liegt in Presswehen. Gleich sollte sich die erste Fruchtblase mit dem Welpen am äußeren Ende des Geburtskanals zeigen.

Die Spannung steigt.

  • Wird es eine Steißlage, also ein Welpe, der mit den Hinterläufen zuerst raus kommt, oder eine normale Kopflage sein?
  • Wie wird der Welpe aussehen?
  • Wird er leben?
  • Hat er sich verschluckt und Wasser eingeatmet?
  • Ist er gar erstickt?
  • Ist er normal oder hat er irgendwelche Anormalitäten?
  • Welches Geschlecht hat der kommende Welpe?
  • Habe ich alles genügend vorbereitet?

Schnell wird nochmals alles gecheckt: die Telefonnummer des Tierarztes, falls nicht alles glatt geht; die Qutipps für die Reinigung von Maul und Nase, der Cognac mit Pipette – falls die Atmung nicht einsetzen will; der Rasierer, um die Markierung der einzelnen Welpen vorzunehmen; die kleinen Tücher, um evtl. bei der Steißlage den Welpen mit herauszuziehen; die Waage, um den kleinen neuen Vierbeiner zu wiegen; die Feudel, damit das Fruchtwasser sofort entsorgt werden kann; Traubenzucker, falls … usw.

Die Mutterhündin stöhnt bei jeder Presswehe. Es ist Schwerstarbeit. Endlich, nach langer Zeit erscheint die Fruchtblase mit einem Köpfchen. Nun geht alles schnell. Bei der nächsten Presswehe flutscht der Welpe heraus und die Mutter enthäutet ihn, beißt die Nabelschnur durch, leckt und massiert den Kleinen bis er Quaklaute von sich gibt und der nächste Welpe schon wieder auf die Welt kommen möchte.

Wenn dieser geboren wird, nutze ich die Zeit und nehme den zuvor geborenen Welpen aus der Wurfkiste und lege ihn unterhalb meines Halses auf die Stimmbänder, spreche die neuesten Daten z.B. es ist ein Rüde, Kennzeichnung XYZ zu den schreibenden Praktikanten und lege ihn schließlich auf die Waage.

Das Gewicht ist schnell ermittelt und dann geht es auf demselben Weg wieder zurück zur Hundemutter. Dabei rede ich leise, aber deutlich hörbar mit dem Welpen und der Praktikantin.

Welpen wiegen
Welpen wiegen

Warum das?

Der Welpe wird mit geschlossenen Augen und Ohren geboren. Aber er kann riechen und fühlen. Vom Instinkt findet er die Zitze der Mutterhündin, die ihm sofort vertraut wird. Damit er auch für den Menschen Vertrautheit entwickeln kann, lege ich ihn auf mein Dekolletee.

Durch das Sprechen vibriert dieser Bereich und der Welpe spürt das. Mein Körpergeruch prägt sich in sein Welpengehirn bereits ein. Dies wird ihm zu einem vertrauten Faktor, der sich bei der Aufzucht sehr bewährt.

3.2. Bis zur zweiten Woche

In dieser Zeit geht es um 1. Körperwärme, 2. Schlafen, 3. Nahrungsaufnahme und 4. Kontaktliegen/Kontaktaufnahme sowie um 5. Sauberkeit.

3.2.1. Körperwärme

Wir als Züchter können die Hundemutter in vielen Dingen unterstützen, so z.B. den Welpen genügend Wärme zukommen zu lassen. Dafür gibt es Strahler oder auch „künstliche Glucken“. Damit es der Hündin nicht zu warm wird, wird die künstliche Glucke so gehängt, dass in das so genannte funktionelle U (es ist das vom Muttertier gebildete Halbrund, in dem sich die Welpen in den ersten Lebenstagen aufhalten) strahlt.

Mit dieser Wärmezufuhr bewahren wir den Welpen vor Unterkühlung. Dazu ist allerdings auch eine gute Beobachtung nötig, denn wenn die Welpen es zu warm haben, krabbeln sie auseinander. Ist es zu kühl, dann liegen sie dicht an dicht und die Mutterhündin macht auch mehr und mehr ein kleineres U, bis hin, dass daraus fast ein O wird.

Alle Welpen sind geboren
Alle Welpen sind geboren

3.2.2. Schlafen

Schlafende Hunde sollte man nicht stören. In den ersten Tagen schlafen die Welpen etwa 90 % des Tages. Bis ungefähr zum 8. Tag haben sie nur 10% als kurze Wachphasen. Wenn das Stören des Schlafes öfters vorkommt, wird der Hund nervös – nicht anders wie beim Menschen.

Das erstaunliche ist für mich, dass die Welpen meist ruhig weiter schlafen, wenn man sie langsam und behutsam aus der Kiste nimmt und sie z.B. auf den eigenen Schoß legt.

Diese Wärme und den Geruch von Menschen kennen sie schon (wenn sie entsprechend vorbereitet worden sind) und schlafen ruhig weiter. Für mich ist es sehr aufschlussreich, wenn Welpenkäufer kommen und dies nach Anweisung auch machen. Da die Welpen/Hunde die Stimmung des Menschen erfühlen, schlafen sie weiter oder werden unruhig.

Wenn das Unruhigwerden der Welpen bei einem späteren Besuch erneut passiert, dann bekommen diese Menschen von mir keinen Hund.

Es darf im späteren Leben des Vierbeiners nicht nur dem Menschen gut gehen, sondern auch dem Hund. Er muss das Gefühl der Sicherheit haben und das hat er bei diesem Menschen nicht!

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3.2.3. Nahrungsaufnahme
Hier brauchen wir Menschen in den ersten zwei Wochen für gewöhnlich nicht helfen, denn dafür ist die Hundemutter verantwortlich. Nur, wenn etwas nicht stimmt, greifen wir als Züchter ein.

3.2.4. Kontaktliegen/Kontaktaufnahme
Oder nehmen wir den Punkt Kontaktaufnahme/Kontaktliegen. Jeden Tag wird jeder Welpe einmal hochgenommen und gewogen. Dabei verfahre ich wie in Punkt 3.1. beschrieben. Die Wärme und der Geruch auf meinem Dekolletee sind anders als bei der Mutter oder den Geschwistern.

Menschen riechen anders als Hunde. Das lernen die Kleinen sehr schnell, denn auch die Praktikanten bei mir helfen mit. Menschenprägung und Menschengewöhnung ist hier das Lernziel

3.2.5. Sauberkeit
Kot- und Urinentsorgung ist eine vornehmliche Aufgabe der Mutter. Trotzdem kommt es bei einem großen Wurf vor, dass diese das ein oder andere „Würstchen“ übersieht. Sauberkeit und beste Hygiene in der Wurfkiste beinhaltet auch, dass man täglich die Liegeunterlagen wechselt und auskocht bzw. auswäscht.

Das nasse Liegen der Welpen bzw. der Mutter zieht Ungeziefer an, was man nicht gebrauchen kann, da diese sich die Lagerstätte als ihre Brutstätte zu eigen machen und z.B. Schmeißfliegen und Speckkäfer ihre Eier dort ablegen. Fliegen und Mücken beißen oder stechen die Welpen und die Mutterhündin, was für diese auch nicht angenehm ist und oftmals die Mutterhündin zum Fliegenschnappen verleitet.

Fliegengitter vor der Tür und den Fenstern sind die beste Gegenwehr. Als Unterlage hat sich das Antidekubitusfell aus der Humanmedizin (gibt es in Sanitätshäusern) bestens bewährt, denn es ist auskochbar, trocknet schnell im Tümmler oder an der frischen Luft, ist weich und flauschig und nimmt Hundekrallen nicht übel.

Ein sehr langlebiges Produkt, welches sich ein Hundelebenlang vorzüglich als Körbchenersatz verwenden lässt. So werden die Welpen bereits auf eine trockene, weiche, hygienisch einwandfreie Wohlfühlumgebung geprägt.

3.3. Ab der dritten bis fünften Woche (sensible Phase – Sympatikus und
Parasympatikus)

Etwa zwischen dem 12 und 14 Tag gehen die Augen der Welpen auf und meist auch parallel die Ohren. Manchmal hinken diese aber auch hinterher, so dass die Ohren erst am zwanzigsten Tag wirklich offen sind. Man könnte als Züchter jetzt auch sagen: „Das Leben beginnt quirlig zu werden“ oder „die Entdeckungsreise des Lebens hat begonnen“.

Außengelände mit großer Wurzel, Tunnel, Hochbrett, Sand, Wackersteine,  Holzfliesen, Betonfliesen, etc.
Außengelände mit großer Wurzel, Tunnel, Hochbrett, Sand, Wackersteine, Holzfliesen, Betonfliesen, etc.

Sobald die Augen und Ohren offen sind, ist das Leben in der Wurfkiste kaum wieder zu erkennen. Alles und jedes muss erkundet werden, die Beine werden ausgetestet, die Stimmchen erprobt, dem Spielverhalten zu Mutter und Geschwister wird nur durch nachlassende Kräfte Einhalt geboten oder durch lautstarken Protest eines der attackierten „Opfer“.

Wie bereits erwähnt (2. Grundlagen), ist die Zeit von der dritten bis zur fünften Woche eine besondere Zeit, wo es darauf ankommt, dass der Züchter seine Verantwortung ernst nimmt, denn der Parasympathikus ist der aktive Ruhenerv, der das ganze Geschehen in den „Ruhepool“ steckt. Von dort werden später auch Vergleiche hervorgeholt, um das wieder neu Erlebte abzugleichen und weiter ruhig zu bleiben.

Dieser Vorgang in der dritten bis fünften Woche der Welpen hat zur Folge, dass der Züchter für täglich neue a. akustische Reize, b. optische Reize, c. physische Reize und d. Geruchsreiz zu sorgen hat. Alles allerdings im richtigen Maß, damit keine Reizüberflutung stattfindet.

Als negatives Beispiel sei hier eine Züchterin im Ausland vorgestellt, die auf Normallautstärke den Fernseher, der direkt über und an der Wurfkiste stand, den kompletten Tag und die halbe Nacht alle Wochen laufen ließ. Die Welpen waren sehr nervös, denn sie konnten sich nicht dieser Reizüberflutung entziehen.

Zu a. akustische Reize: sehr sinnvoll ist es, wenn die Welpen täglich neue akustische Geräusche erhalten, was man leicht in Form von CDs bewältigen kann.

Jedem seinen Napf um den Fressneid einzudämmen
Jedem seinen Napf um den Fressneid einzudämmen

Es gibt auf dem Markt frei erhältliche „Stakkato“ –Spezial und/oder Super mit den unterschiedlichsten Tracks, Musikbeispielen, Geräusche jeglicher Art und Testsignale. Diese lassen sich den Welpen zunächst in kurzen Intervallen und in gedämpfter Lautstärke vorspielen. Wenn man das täglich macht, wird der zeitliche Vorspielrahmen vergrößert und die Läutstärke variiert.

Bitte vergessen Sie nicht ihren Staubsauger oder den Dreimix oder… Auf diese Art und Weise erschrecken die Welpen nicht bei den Alltagsgeräuschen, wenn sie dann beim neuen Besitzer sind. Das heißt aber nicht, dass der neue Besitzer nicht auch diese Dinge wiederholen muss, da die Verfestigung beim Züchter noch nicht gegeben ist.

Was der Züchter jedoch hier versäumt, ist so gut wie nicht mehr aufzuholen!

Erst ab einem Alter von sechs bis acht Monaten bleiben Hunde, zum Beispiel auch nach einer etwas längeren Kontaktlosigkeit zu Menschen, mit diesen sozialisiert. Dahingegen ist es fast nicht möglich einen nicht mit Menschen sozialisierten Hund im Alter von sechs bis acht Monaten noch zu sozialisieren!

Zu den akustischen Reizen gehört auch der Züchter eigene Staubsauger, das Geklapper in der Küche mit entsprechenden Töpfen, Geschirr, Drei-Mix, etc. Das Telefon und die Haustürschelle sind eine Selbstverständlichkeit. Leider nicht selbstverständlich, aber absolut notwendig sind Kinderstimmen, Männer- und Frauenstimmen, sowie verschiedene Tierlaute. Wenn der Züchter die verschiedenen Stimmvariationen nicht in der Realität bekommt, ist es oft auch mit den

b. optischen Reizen nicht gut bestellt. Denn dort ist es besonders wichtig, dass die Welpen Kinder mit ihren hellen Stimmen und schnellen Bewegungen kennen lernen. Die dunklen, tiefen Stimmen der Männer sind unentbehrlich, denn sonst haben später die Welpen Angst vor solchen Geschöpfen.

Beim Nachbar schmeckt es eben doch besser
Beim Nachbar schmeckt es eben doch besser

Wichtig sind auch die Erlebnisse in der Stadt auf dem Arm des Züchters. Dazu gehört das optische Kennenlernen von verschiedenen Autos, Bussen, Zügen, Fahrrädern, Aufzügen, Brunnen(-geplätscher), Geschäfte von innen und von außen, Rolltreppen und was eben eine Stadt ausmacht.

Meine Erfahrung bei solchen Trainingseinheiten ist, dass alle möglichen Leute nicht nur die „ach-sind-die-aber-süß-Mentalität“ herauslassen, sondern offenbar meinen, dass man alle sofort ungefragt anfassen und streicheln darf. Da die Welpen zu diesem Zeitpunkt noch nicht geimpft sind, ist das sicher nicht die passende Verhaltensweise von fremden Menschen, zumal die Welpen gerne die Hände der Passanten ablecken.

Welpe auf Gitterlaufgewichtswaage
Welpe auf Gitterlaufgewichtswaage

Wenn wir so einen „Angreifer“ auf uns zugestürmt sehen, dann sagen wir laut und deutlich, dass Ansehen erlaubt ist, aber diese Welpen bitte nicht angefasst werden dürfen, da sie noch nicht geimpft sind. Das hilft in der Regel. Aber leider gibt es auch hier unverbesserliche Mitmenschen die trotzdem einfach zulangen!

Eine Geschäftsinhaberin eines Damenoberbekleidungsgeschäftes meinte auf meinen Hinweis hin, dass ich mich nicht so anstellen sollte… Nun, das war dann der letzte Besuch diese Geschäftes.

Leichter haben wir es hingegen mit den Tieren auf dem Lande, als da wären Kühe, Schafe, Schweine, Hühner, andere Hunde, Hasen, Rehe oder dergleichen. Auch hier werden die Welpen in der fünften Woche auf dem Arm des Züchters mit den o.g, Tieren optisch/akustisch und geruchlich in Kontakt gebracht.

Körperkontakt ist allerdings ausgeschlossen. Auch aus diesem Grunde halte ich selbst Hühner, so dass wir uns in aller Ruhe vor den Hühnerhof mit Welpen setzen können. Das Gegackere der Hühner und der Schrei des Hahnes sind den Welpen bis dahin per CD bereits bekannt.

Nun kommt das Übrige hinzu.

Sobald die Welpen bei uns ins Freie dürfen (ca. mit der vierten Lebenswoche – je nach Wetterlage), werden sie auch mit den medizinischen Hilfsmitteln unserer Käufer konfrontiert, so dass es für sie selbstverständlich ist, einem Rollstuhl ohne Angst zu begegnen. Das trifft auch auf einen Rollator und die Unterarmstützen zu.

Da die Käufer mit ihren behinderten Kindern hierher kommen, lernen die Welpen bereits in ganz jungen Tagen, dass man vor solchen Gefährten und Menschen keine Angst zu haben braucht. Das Erlebnis wird von vornherein in den Ruhepool gepackt (zur Erinnerung: der Parasympatikus ist aktiv).

Ein unverzichtbarer Moment unter dem optischen Gesichtspunkt ist die Ausgestaltung der jeweiligen Innen- und Außenausläufe. Wie bei den meisten Züchtern nur ein blanker Erdboden, ein blanker Betonboden oder auch eine Asphaltdecke den Untergrund für die Welpen abgibt, so sieht es im Innenbereich nicht anders aus. Hier und da sah ich bei den verschiedensten Züchtern lediglich ein paar Quitschetiere und Stofffetzen herumliegen.

Das Motto bei solchen Aufzuchten ist: Hauptsache schnell sauber machen können. Einmal den Schlauch mit Wasser drüber und die Welpen können schon wieder rein. So wenig wie möglich an Arbeit. Es ist mir sehr verständlich, dass die Züchter so wenig wie möglich sich Arbeit machen wollen, denn sie haben eh schon genug zu tun. Die Kehrseite der Medallie ist allerdings, dass die Prägung der Welpen nicht optimal ist.

Zu den optischen Reizen im Auslauf gehören zum Beispiel nicht nur Bäume, Sträucher, Gras, Felsbrocken, Baumwurzel, Erlebnisbrücken, Tunnel, Zaun und Pforte, sondern auch eine Wäscheleine mit Wäsche, Knitterdecke (Notfalldecke), aufgehängte Flaschen, Windrad, etc. die öfters in der Woche anders behängt wird. Ein schöner Nebeneffekt bieten diese Sachen, wenn sie tief genug gehängt werden, so dass die Welpen auch damit spielen können.

Vier Wochen alte Welpen im Abenteueraußengelände
Vier Wochen alte Welpen im Abenteueraußengelände

C. Physische Reize sind oft auch mit anderen Reizen verbunden. Ich denke da zum Beispiel an das Training über verschiedene Gitter zu gehen. Das mag kein Hund, es sei denn, er ist früh genug darauf trainiert worden. Nehmen Sie nur mal Ihre Kellergitterfensterabdeckungen. Wenn ein Hund diese umgehen kann, wird er das tun.

Nicht nur dass es für die Pfoten ein ungewohnter Untergrund ist, sondern auch, dass man durch das Gitter sehen kann und unter einem Hund noch viele cm „Abgrund“ bestehen. So manche Brücke ist mit solchen Gittern versehen (z.B. in Büsum zur Sandinsel) oder der Aussichts- und Uhrenturm am Rathaus in Husum. Viele Schuhabstreicher vor Haustüren haben so ein Gitter, was man dann auch leicht in den Welpenauslauf hineinlegen kann als Trainingsobjekt.

Nun gibt es ja nicht nur diese Gitter, sondern die verschiedensten Untergründe, damit die taktilen Reize der Pfoten alles kennen lernen. Ich rede hier nicht nur von Metall (mit den verschiedensten Noppen, Rillen, Erhöhungen etc. wie auf Jahrmarktkarussels oft anzutreffen, sondern auch von den etwas eher normalen Untergründen wie Erde, Gras, Steine, Split, Sand, Holz- und Betonplatten, Asphalt, Teppich, PVC-Belag, Parkett, Fliesen, usw.

Damit die Welpen bereits im Spiel wie selbstverständlich darüber laufen, habe ich 1 x 1 m Bodenplatten mit den verschiedenen Belägen in verschiedene Auslaufbereiche gelegt.

Zu den Physischen Reizen gehört auch zum großen Teil, dass es gleichzeitig optische Reize sind, als da wären, die Baumwurzel, die umgekippte Futterschale für Kühe, der halbierte Pflanzenkübel als kleinen Tunnel, die hängenden Flaschen an der Wäscheleine, das Holzzelt, die großen Wackersteine, etc. Der Phantasie sind dort kaum Grenzen gesetzt um den Entdeckerdrang der Welpen immer neue Nahrung zu geben.

d. Geruchsreize:

Diese Reize lassen sich am besten in der Küche vermitteln. Wenn die Welpen in der Zeit, wo man kocht, in der Küche sind, erhalten sie eben von allen Lebensmitteln eine Nase voll davon mit. Es ist schon ein großer Unterschied, ob ich Weißkohl koche, Fisch brate oder eine Süßspeise herstelle. Außerdem bügel ich in der Küche, was wiederum anders riecht.

Das Fenster putzen riecht ebenfalls anders als den Boden wischen. Ob ich einen Kuchen backe oder Fleisch anbrate, ob ein Knoblauchgericht gezaubert wird oder etwas mit Alkohol hergestellt auf den Tisch kommt, alles riecht anders und ist wichtig.

Extrem wichtig ist bei dem Küchentraining, dass die Welpen in einem gesonderten Auslauf oder Kennel in Sicherheit sind und nicht vor Ihren Füßen laufen können. Das Drama, was dadurch entstehen könnte, ist kaum auszudenken.

 

Geruchsneuheiten kann man auch gut in der Stadt (Autoabgase, Pommesbude, viele Menschengerüche etc.) gut trainieren. Ein Bahnhof riecht mit den Zügen anders als eine Autowerkstatt, ein Kuhstall anders als ein Pferdestall, ein Oberbekleidungsgeschäft anders als eine Parfümerie, ein Futterhaus anders als ein Bauunternehmerhof, usw. Täglich ein bis zwei neue Geruchsreize, das langt!

Teil 2 – Welpensozialisierung