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Welpensozialisierung, eine Artikelserie von Barbara Puhl

Inhaltsverzeichnis:
1. Einführung
2. Grundlagen
3. praktische Auswirkungen für
den Züchter
4. Konsequenzen: Züchter, kann
das jeder sein? Körperliche -, nervliche -, geistige -, seelische-
, finanzielle-, zeitliche- und räumliche Anforderungen
5. Qualitätsnachweise
6. Praktische Vorgehensweisen bei Sommer - oder Winterwürfen
7. Fazit für werdende Züchter und "alte Hasen",
8. Gewährleistungsgesetz und seine Umsetzung
9. Fazit für alle, die sich einen Welpen anschaffen
Welpensozialisierung, eine Artikelserie von Barbara Puhl
6. Praktische Vorgehensweisen bei Sommer - oder Winterwürfen
Der Sommerwurf:
Ein Sommerwurf hat viele Vorteile. Der wohl wichtigste Vorzug einen Sommerwurf
zu planen, ist die sommerliche Wärme draußen in der freien
Natur. Sie beinhaltet nicht nur, dass wir fast sämtliche Heizkosten
sparen, sondern auch, dass zum Beispiel unsere Welpenkäufer draußen
auf dem Boden sitzend mit den Welpen spielen können.

Ein drei Wochen alter Welpe schläft in der Ecke der
Wurfkiste
Die Pflege der kleinen Vierbeiner ist ebenfalls wesentlich leichter,
da Matsche, Dreck, Blätter etc. nicht in ihrem Fell hängen bleiben.
Nach einer gewissen Zeit, wenn die Welpen groß genug sind (etwa
mit 3,5 Wochen), dürfen sie bei mir für täglich längere
Zeit ins Freie. Zunächst gibt es da einen überdachten Auslauf,
der auch im Winter den Schnee und den Regen abhält. Ab der 5ten Woche
dürfen die Welpen bei mir frei auf dem auch nicht überdachten
200 Quadratmeter großen Freiauslauf herumtoben, Löcher buddeln,
von Mama gezeigt bekommen, wie man was macht und mit den Geschwistern
Geschicklichkeitstrainings durchlaufen.

Die geduldige Hundemama mit einigen ihrer kleinen Vierbeiner
Dabei ist es besonders wichtig, dass die Hundemama sich jederzeit auf
ein Hochbrett zurückziehen kann.
Selbst eine Schale mit 2 cm Wasser gefüllt, bedarf des Kennenlernens,
was man eben aber nur im Sommer bei Wärme aufstellen sollte.
Man kann gelassener und gezielter das Autofahrtraining mit den Welpen
absolvieren, als wenn man auch ständig auf Glatteis und/oder Schnee
achten muss.
Die Prägung der Welpen ist im Sommer viel leichter und unkomplizierter
und man kann sie ausgiebiger nutzen. Weil das so ist, werden die kleinen
Vierbeiner schneller selbstständig und durch die Möglichkeit,
eigenständig von sich aus ins Freie zu gelangen, schneller stubenrein.
Eine glückliche Praktikantin
Das hat nicht nur für den Hundezüchter Vorteile, sondern ist
besonders wichtig für den Welpenkäufer. Spätestens nach
einer Woche nach der Abholung, haben die Welpen die Stubenreinheit vom
Zwinger auf die Stube beim neuen Besitzer übertragen, wenn systematisch
darauf hin gearbeitet wird.
Die Nachteile eines Sommerwurfes sollten gut überlegt werden.
Es ist Urlaubszeit und viele Leute sind nicht zu Hause. Der Verkauf der
Welpen gestaltet sich viel schwieriger, als zu anderen Zeiten. Wenn sich
Welpenkäufer melden, wollen sie meist, dass sie erst nochmals in
Ruhe Urlaub machen können und der Züchter den gewünschten
Welpen solange behält, bis sie zurück sind.
Das hat nicht nur Nachteile für den Züchter, sondern auch für
den Welpen, denn er sollte jetzt entsprechend auf die Familie, die neue
Umgebung, das neue soziale Umfeld geprägt werden. Diesen Punkt sehe
ich persönlich als den größten Nachteil eines Sommerwurfes
an. Manches kann man ein Leben lang nicht mehr gut machen, was man hier
versäumt.
Es kommt dann auch hin und wieder vor, dass gewisse Züchter auf
ihren Welpen sitzen bleiben, so dass diese u.U. auch noch nicht nach einem
halben Jahr verkauft sind. Dadurch entstehen erhebliche Mehrkosten und
Mehrarbeit. Ganz abgesehen von der nicht zu leistenden Ausbildung aller
zurück gebliebenen Hunde. Meine Erfahrung ist, dass, wenn man die
Welpen nicht bis zur 12 Woche hat verkaufen können, es wesentlich
schwieriger ist, einen nicht ausgebildeten Junghund zu verkaufen.
Ein weiterer Nachteil ist, dass, wenn die Menschen mit den Welpen spielen
und sie kurzärmelige und kurzbeinige Oberbekleidung anhaben, sie
schnell viele Kratzer auf den nicht bedeckten Körperteilen bekommen.
Oft verursacht das ein Gebrüll bei Kindern und eine mögliche
Antipathie wächst evtl. ungewollt. Abhilfe kann man durch lange Hosen
und lange Ärmel bei Blusen bzw. Hemden schaffen.
Die meisten Züchter versuchen einen Sommerwurf zu bekommen, denn
er lässt sich leichter aufziehen. Aber darum gibt es im Sommer auch
einen Überhang an Welpen die eh schon schlecht wegen der Ferien verkauft
werden können.
Durch die Wärme des Sommers gibt es so manches Ungeziefer was einem
Züchter und auch einem Welpen (vermehrt) zu schaffen macht. Das Wespen
und Fliegenschnappen ist ein beliebter "Hundesport", der aber
leider nicht den Vierbeinern gut tut. So mancher Züchter musste schon
seinen Vierbeiner zum Tierarzt bringen, da dieser sich einen Stich in
den Hals, in die Zunge oder in den Rachen eingeheimst hatte. Leider hat
der ein oder andere das nicht überlebt.
Eine Unsitte ist das Vogelkotfressen, denn den Vögeln kann man nicht
sagen, dass sie das nicht über der Zwingeranlage tun dürfen.
Leider bekommen die Welpen dadurch manchmal Krankheiten, die uns Züchtern
nicht gefallen. Dabei ist ein Wurmbefall noch das mildeste, was sie bekommen
können.
Gefahr droht auch sonst noch aus der Luft, denn Elstern, Krähen
oder andere größere Vögel, lieben nicht nur Kücken
und Singvögel, sondern evtl. auch kleine Welpen. Wenn Krähen
an unsere Lämmer gehen, dann erst recht an die weißen Golden
Retriever Welpen. Darum ist im Sommer immer ein Netz über die Zwingeranlage
zu spannen.
Zu den Räubern können u.U. auch andere Raubtiere zählen.
Wer hat da welche Erfahrungen sammeln können? Nachdem der Fuchs mir
12 Gänse, 15 Flugenten und 36 Hühner geraubt hat und die Marder
mir jedes Jahr viele Küken holen, habe ich einen sicheren, 2,10 m
hohen und 30 cm tief eingegrabenen Metallgitterzaun um das gesamte Grundstück
aufgestellt. Seit dieser Zeit habe ich Ruhe vor Füchsen. Der Marder
und die Ratten kommen leider trotzdem durch den Zaun.
Die Vorteile eines Winterwurfes sind schnell aufgezählt:

Hundepfote mit Eis- und Schneeklumpen
Da es weniger Welpen zu diesem Zeitpunkt gibt, sind die Welpen auch schneller
verkauft. Dazu kommt, dass die Menschen subjektiv mehr Zeit haben und
sich besser und intensiver um den Neuankömmling kümmern können.
Die Tatsache, dass die Menschen aufgrund der "vermehrten" Zeit
auch gründlicher die Zeitung oder das Internet lesen, kommt dem Verkauf
von Rassehunden sehr entgegen.

Büsumer Hafen im Winter
Ob die Weihnachtszeit oder gar Weihnachten selbst als Vorteil oder Nachteil
anzusehen ist, darüber streiten sich die Fachleute. Es gibt für
jede Ansicht ein Für und ein Wieder.

Markierung mit dem Rasierer III hinten rechts.
Ein Winterwurf hat auch eine Menge Nachteile:
Nicht nur die eben erwähnte Weihnachtszeit könnte so ein Nachteil
sein. Hier ist wiederum das Wetter und besonders die Temperatur in der
Natur das Hauptargument. Denn mit dieser Tatsache sind fast alle anderen
Nachteile verbunden. Junge Welpen kann man nicht mal eben zum Spielen
in den Regen, in den Schnee oder auch nur in die eisige Kälte rausschicken.
Dazu kommt, zu mindestens bei uns hier an der Nordsee, oft ein eisiger
Wind, der auch bei uns Menschen durch alle Kleidung dringt. Darum werden
die Welpen dann mehr im Haus gehalten und werden schlechter stubenrein.
Schließlich wird kein Züchter alle Welpen 23 mal am Tag jeweils
zum richtigen Zeitpunkt ins Freie tragen, damit sie ihr Geschäft
erledigen.

Wurfkiste an der Heizung
Durch Eis, Schnee und Kälte kann sich so mancher Welpe eine Blasen
und /oder Nierenentzündung holen. Schließlich legen die sich
auf den Boden und schlafen im Ruck-Zuck ein ohne sich um die Erkrankungsmöglichkeit
zu kümmern. Außerdem kühlen die Welpen insgesamt viel
zu schnell aus. Das heißt, dass es bei Winterwürfen erheblich
mehr Arbeit für den Züchter gibt.
Die Kosten für den Züchter sind auch um einiges höher,
als bei Sommerwürfen. Sie haben fast immer die Heizung laufen, dazu
noch Wärmelampen und sehr viel künstliches Licht.

Welpe auf der Trainingswaage für die Rettungshundearbeitsvorbereitung.
Sollten die Welpen doch ins Freie können, dann sind zu mindestens
Wärmeplatten unter den Wassernäpfen einzuschalten, damit das
Wasser nicht gefriert. Wärmeplatten für die Welpen (worauf sie
sich legen können) sind ebenfalls eine sinnvolle Investition. In
beiden Fällen ist die schützende Verkabelung gegen einen Welpenbiss
von extremer Wichtigkeit.
Schließlich kommen zusätzliche Kosten und Bemühungen
für die Mutterhündin auf den Züchter zu. Die Hündin
verliert ein Großteil ihres Fells nach ca. 2 Monaten nach dem Wurf.
Das ist hormonbedingt. So total abgehaart sollte sie nicht bei heftigen
Minustemperaturen draußen einen Spaziergang unternehmen.
Dazu ist dann eine Schutzkleidung, wie ein Regen- und Fleecemantel, nötig.
Der Energieverbrauch bei einem Winterwurf ist auch erheblich größer,
als bei einem Sommerwurf. Das wiederum beinhaltet, dass mehr Futter gebraucht
wird und die Kosten auch dadurch steigen.
Wägen Sie selbst ab, was Ihnen mehr liegt und womit Sie selbst
besser zu recht kommen.
Kontakt zur Autorin:
E-Mail : therapiehunde-deutschland@t-online.de
Homepage: http://www.therapiehunde-deutschland.de
(C) Barbara Puhl , alle Rechte vorbehalten
Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung der Autorin!
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