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Welpensozialisierung, eine Artikelserie von Barbara Puhl

Inhaltsverzeichnis:
1. Einführung
2. Grundlagen
3. praktische Auswirkungen für
den Züchter
4. Konsequenzen: Züchter, kann das jeder sein?
Körperliche -, nervliche -, geistige -, seelische- , finanzielle-,
zeitliche- und räumliche Anforderungen
5. Qualitätsnachweise
6. Praktische Vorgehensweisen bei
Sommer - oder Winterwürfen
7. Fazit für werdende Züchter
und "alte Hasen",
8. Gewährleistungsgesetz und
seine Umsetzung
9. Fazit für alle, die sich
einen Welpen anschaffen
Welpensozialisierung, eine Artikelserie von Barbara Puhl
4. "Konsequenzen: Züchter, kann das jeder sein? Körperliche-,
nervliche-, geistige-, seelische-, finanzielle-, zeitliche und räumliche
Anforderungen."
Grundsätzlich, vom Gesetz her gesehen, kann jeder, der das will,
Züchter werden. Ob aber jemand die nötigen Voraussetzungen dazu
mitbringt, ist ein Faktor der vor dem ersten Wurf geprüft werden
muss.
Um eine Checkliste dafür zu bekommen (sie können sich diese
ausdrucken und abarbeiten), sind die nachfolgenden Zeilen geschrieben
worden:

[ Stadttraining mit Leierkastenehepaar. Dream muss sich
an Stadtgeräusche
gewöhnen. ]
4.1. Habe ich die nötige körperliche Voraussetzung dazu?
Bin ich insoweit körperlich fit, dass ich mich z.B. für längere
Zeit in die Wurfkiste beugen kann (z.B. beim Werfen ( Geburt der Welpen)
oder beim Saubermachen der Wurfkiste)?
Bin ich körperlich so fit, dass ich den Welpeninnenzwinger mindestens
ein Mal täglich komplett säubern und evtl. desinfizieren kann?
Bin ich in der Lage dies im Außenbereich zu leisten, da jeder Welpe
täglich etwa 5 Häufchen und 20 Bächlein macht?
Bin ich in der Lage 15 kg Futtersäcke zu tragen oder habe ich dafür
Hilfspersonen?
Allein nur von diesem ersten Punkt her ergibt sich ein Ausschluss von
Menschen, die zwar liebend gerne Züchter werden wollen, aber weder
selbst die körperliche Fitness mitbringen, noch Menschen haben, die
ihnen verantwortlich zur Hand gehen.

[Selbst ein Besentraining sollte erfolgen um die Hunde
so sicher wie möglich zu bekommen. ]
4.2. Habe ich die nötige nervliche Voraussetzung dazu?
Bin ich in der Lage ca. 4 Tage vor der Geburt durchgängig Tag und
Nacht der Hündin die Temperatur zu messen und anschließend
vier Tage und Nächte an der Wurfkiste aufzupassen, neben der vielen
Arbeit mit der Hündin, den Welpen, dem Haushalt, der Homepagepflege,
den Welpenkäufer, dem Tierarzt bzw. der Tierklinik?
Wenn ich das kaum durchhalte, habe ich Menschen, die mich z.B. mal bei
der Temperaturmesserei oder dem Wachen bei der Wurfkiste ablösen?
Was sagt mein Arzt zu meinem Vorhaben? Habe ich die Unterstützung
von ihm?

[ Die Knochen sind noch zu weich. Daher wird bei langen Strecken der
Rollstuhl gebraucht. ]
4.3. Habe ich die nötige geistige Voraussetzung dazu?
Die für dieses Unternehmen nötige Buchführung kann man
erlernen. Bin ich in der Lage aufgrund meiner Bildung und geistigen Fitness
ein Kleinunternehmen mit allem Drum und Dran zu leiten? Wenn nicht, habe
ich dazu jemanden (Einzelperson oder eine Firma) die das alles für
mich erledigt?
Es ist nicht damit getan, Welpen in die Welt zu setzen, sondern sie auch
entsprechend so optimal wie nur möglich an den bestmöglichen
Mann/Frau zu bringen und Kundenpflege zu betreiben.
Bin ich in der Lage Marketing und Management so gut wie nur möglich
sachlich zu leisten? Wenn nicht, wo kann ich das lernen oder wer hilft
mir?

[Hier wird gerade ein Fernsehdreh mit einem unserer Hunde vor dem
Reichstagsgebäude aufgenommen. Auch diesen Rummel müssen unsere
Hunde mit Gelassenheit durchstehen.]
4.4. Habe ich die nötige psychische Voraussetzung dazu?
Geburten finden meist nachts statt. Bin ich dem Druck und dem Stress gewachsen,
wenn z.B. die Geburt auf sich warten lasst?
Wenn plötzlich die Frage nach dem Kaiserschnitt ansteht und von mir
große Flexibilität und Einsatz gefordert wird?
Wenn Welpen tot geboren werden oder anschließend sterben?
Wenn weinende Kinder oder auch Erwachsene mir die Ohren bzw. die Seele
voll heulen?
Bin ich in der Lage später die Welpen abzugeben und die oft stressigen
Verkaufsgespräche durchzustehen?
Bin ich in der Lage Trauerarbeit zu leisten oder versacke ich selbst?
Wenn die Psychische Voraussetzung eine Schwachstelle bei mir ist, wer
könnte mir helfen (Hausarzt, Psychiater, Psychotherapeut, Heilpraktiker)?
Wenn ich bereits psychisch erkrankt bin, will aber trotzdem züchten,
ist es sehr wichtig, sich von vorgenannten Personen beraten und begleiten
zu lassen.

[Eli von der Stellerburg mit einem ausgestopften Seehund im Multimar
in Tönning. Welpentraining. ]
4.5. Habe ich die nötige finanzielle Voraussetzung dazu?
Ich habe erlebt, wie ein Sozialhilfeempfänger durch die Hundezucht
aus der Misere kam. Das dürfte aber die Ausnahme sein, denn dazu
gehört extrem viel Fleiß, Umsicht und Freundlichkeit etc.
Was brauche ich?
Geld für die Wurfkiste (will ich die selbst bauen, mieten oder kaufen?),
Künstliche Glucke (mieten oder kaufen?),
Waage, Waschmaschine, Geld für den Tierarzt (Erstuntersuchung, evtl.
Geburt -Kaiserschnitt - Folgeuntersuchungen, Impfen, Wurmkuren, Chip,
etc.)
Geld für Werbung - Anzeigen, HP-Auftritt, Geld für Welpenfutter,
Geld für Haftpflichtversicherung.
Es entstehen Kosten für die Ahnentafeln und Vereinszugehörigkeit,
Kosten für Büroräumlichkeiten, Räumlichkeiten für
den Wurf und dessen Aufzucht
Allgemeine Bürokosten wie Telefon, Fax, Porto, etc.
Wie sieht das finanziell für die Räumlichkeiten für
die Mutterhündin und die Welpen aus? Was kostet dies? Besitze ich
eigenes Gelände oder muss ich etwas anmieten?
Nehme ich mein Wohnzimmer für die ersten Wochen der Welpenaufzucht
oder habe ich ein Extragebäude?
Komme ich in das Welpenzimmer auch im Schlafanzug oder muss ich bei Wind
und Wetter über den Hof?
Gibt es einen Sponsor oder Gönner, der mir unter Umständen unter
die Arme greifen kann? Was wäre die gewünschte Gegenleistung?
Was sagt die Bank zu meinem Vorhaben? Brauche ich die überhaupt?
Wenn ja, zu welchen Konditionen bekomme ich, was ich brauche?

[Schaftraining mit den sechs Monate alten Hunden ]
4.6. Habe ich die nötige zeitliche Voraussetzung dazu?
Eine gute Zucht ist nicht mal eben zu leisten. Als ich noch als Krankenhausseelsorgerin
tätig war, habe ich meinen kompletten Jahresurlaub plus einige Wochen
unbezahlten Urlaub genommen, damit ich den Wurf auch so gut wie möglich
betreuen konnte.
Weil ich von Anfang an meine Hunde in so einer Situation nicht allein
lassen wollte, habe ich ab dem 56. Tag der Schwangerschaft meinen Urlaub
genommen und bin erst wieder zur Arbeit, als die Welpen mit acht Wochen
abgegeben waren. Das waren dann etwa 9 Wochen "Urlaub", die
extrem gefüllt mit Arbeit und Freude waren.
Sicher, nicht jeder Züchter macht sich dermaßen viel Arbeit
wie ich. Die meisten gehen trotzdem weiter arbeiten und dadurch erhalten
die Welpen nicht die Prägung, die einfach nötig ist. Deshalb
werde ich immer wieder angerufen von anderen Welpenkäufern, weil
sie sich einen Vierbeiner gekauft haben, der z.B. ängstlich ist.
Sie haben ihre liebe Not damit!!!
Man muss bedenken, wenn man einen Wurf machen will, dass jeder Welpe
etwa fünf Haufchen pro Tag hinlegt, nebst 20 kleine Seen. Nehmen
Sie doch bitte die 5 Haufchen mal z.B. 10 Welpen.
Dann bekommen Sie schon täglich 50 Häufchen, die sie beseitigen
müssen und 200 Pinkel dazu. Wenn sie die nicht beseitigen, kommen
die Fliegen und sonstiges Ungeziefer und legen ihre Eier dort ab. Es riecht
extrem nach Urin und stinkt nach Kot.
Hier wird kein wirklich guter Welpenkäufer einen Hund erwerben wollen
- es sei denn aus Mitleid. Dann ist ihr Ruf allerdings als guter Züchter
ruiniert.
Auch das Argument ihrer Kinder, dass sie das doch unbedingt einmal erlebt
haben wollen, kann dem Verstand entgegenstehen. Wie oft haben mir die
Eltern davon erzählt, dass sie das einmal gemacht haben, aber es
nie wieder tun würden, aufgrund der vielen Arbeit und sonstigen Anforderungen.
Sie waren regelmäßig so geschafft, dass sie unbedingt anschließend
einen längeren Erholungsurlaub gebraucht haben oder in die Kur mussten.
Sie müssen bereit sein, nicht nur tagsüber die Arbeit mit der
Mutterhündin und den Welpen zu erledigen, sondern es geht rund um
die Uhr in der letzten Schwangerschaftswoche ( 4 Tage und Nächte)
und dann die ersten vier Tage nach der Geburt.
Sie dürfen ihr Bett gegen eine (meist) unbequemere Liegestätte
bei der Wurfkiste tauschen. Ich habe mal gezählt, wie oft ich in
der ersten Nacht nach der Geburt aufgestanden bin und nach dem Rechten
geschaut habe: 63 mal! So etwas macht nur Freude, wenn sie mit Herz und
Seele dabei sind.
Vermutlich werden sie kaputter später wieder in ihre normale Arbeit
zurück kehren, als wie sie als "Urlaubsreife" von dort
weg sind.

[Zugtraining mit 6 Monate alten Hunden ]
4.7. Habe ich die nötigen räumlichen Anforderungen dazu?
Nach all dem vorher gesagten dürfte es jedem klar sein, dass man
einen Wurf Golden Retriever nicht in einer 2-Zimmer-Wohnung im 5.Stock
groß ziehen kann.
Was habe ich bisher als Zuchtwartin diesbezüglich erlebt?
Angefangen bei einer Collie-Zucht, wo 10 fensterlose Garagen für
jeweils einen Wurf Collies im Dunkeln herhalten mussten, über regelmäßige
Golden Retriever - Wurf - Aufzuchten im Keller eines Einfamilienhauses,
oder im Schrebergartenhäuschen bis hin zur hellen, freundlichen Luxusvilla
aus festen Steinen, Pfannendeckung, Hundebrause, Hundeküche und jeweils
separatem Auslauf einer FCI-Zucht in Tschechien.
Bezüglich Räumlichkeiten für eine Hundezucht gibt es
offensichtlich nichts, was es nicht gibt.
Auch die jeweiligen Abnahmen durch das Veterinäramt und / oder den
Zuchtwart des jeweiligen Vereins scheinen ungewöhnlich dehnbar zu
sein.
Was sagt das Gesetz? Was wäre wünschenswert?
Das Gesetz macht die Größe eines Hundezwingers abhängig
von der endgültigen Widerristhöhe eines Hundes. Die freie Bodenfläche
sollte bei einer Widerristhöhe bis 50 cm mind . 6 Quadratmeter betragen,
bis 65 cm 8 Quadratmeter und für größere Hunde mind. 10
Quadratmeter plus jeweils einen geschützten, gedämmten Liegeplatz.
Da es für Zuchthündinnen mit Welpen keine gesetzliche Vorlage
gibt, habe ich am 4.8.2009 beim Kreisveterinäramt in Heide mit Herrn
Dr. Hartwich gesprochen. Seine Mindestempfehlung lautet: zu den bereits
geforderten gesetzlichen Mindesflächen verlangt er eine Zusatzfläche
von mind. einem weiteren erwachsenen Hund.
Was wäre wünschenswert? Da Welpen viel, sehr viel Freifläche
brauchen, um genug toben und entdecken zu können, wäre es natürlich
von erheblichem Vorteil, dass ein Vielfaches der Mindestquadratmeterzahl
zur Verfügung steht und das schließlich zum Abentheuerspielplatz
umfunktioniertes Gelände genügend Anreize den jungen Geschöpfen
bietet.

[Wurst: hier darf der Welpe nicht an die vor ihm liegende Wurst gehen.
Die Prüfungsaufgabe hat er bestens gemeistert. ]
Es sei auch noch ein Hinweis zur Einfriedung des Zwingergeländes
gegeben. Bitte zäunen sie das dafür vorgesehene Gelände
nicht mit einem Maschendraht ein, denn dieser kann von den Hunden kaputt
gebissen werden und somit zur Gefahr für den Hund und u.U. auch für
den Menschen werden.
Das beste Zaunmaterial nach meiner Erfahrung sind Metallstäbe, entweder
als Stahlmaschengitter oder als Aluminiumrundstäbe im Abstand von
4 cm, damit die Welpen nicht hinausschlüpfen können.

Kontakt zur Autorin:
E-Mail : therapiehunde-deutschland@t-online.de
Homepage: http://www.therapiehunde-deutschland.de
(C) Barbara Puhl , alle Rechte vorbehalten
Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung der Autorin!
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