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Desensibilisierung einer Hundephobie am Beispiel eines behinderten
Mädchens.
Ein Artikel von Barbara Puhl

Die persönlichen Daten wurden von der Therapeutin, aus datenschutzrechtlichen
Gründen, verändert.
Inhaltsverzeichnis:
1. Einführung
2. Grundsätze
3. Verfahren
Visioalisierung
Da das Mädchen eine solch starke Hundephobie hatte, dass sie panisch
reagiere, wenn sie nur aus der Ferne einen Hund sah, setzten wir bei der
bloßen Visioalisierung an und erzählten Hundegeschichten. Es
waren immer kurze, positiv ausgehende Hundemärchen, die den Vierbeiner
in seiner liebenswerten Dimension zeigten. Selbst als wir wechselseitig
die Geschichten (mal Therapeut, mal Klient) die Geschichte erzählten,
sorgten wir immer für ein Happy End.
Bilder ansehen
Es folgte das Stadium der Bilder von Hunden ansehen. Hier kamen gemalte
Bilder, Fotos und auch Bilderbücher ins Spiel. Manche hatten belehrenden
Charakter, manche waren humorvoll, andere spannend. Der Wissenshorizont
des Kindes über Hunde wurde damit erweitert und positiv gestaltet.
Der nächste Schritt ging nahtlos von diesem über:
Neugierde wecken
Durch die verschiedenen Geschichten mit Bild und auch ohne, wurde die
Neugierde des Kindes auf Hunde immer größer. Bis zu diesem
Zeitpunkt wurde zuverlässig das Kind von Hunden fern gehalten, so
dass wir nun beginnen konnten, die auftauchenden Fragen zu beantworten
und mit einem Stoffhund zu arbeiten.

Den Hund aus der Ferne durch das Klassenfenster sehen.
Irgendwann kam der verabredete Zeitpunkt, dass eine Lehrperson mit dem
Kind am Klassenfenster stand und der Hund und ich am anderen Ende des
Schulhofes hin und her gingen. Die Sicherheit für das Mädchen
bestand zunächst darin, dass sie im Klassenraum an der Hand der Lehrerin
stand. Zu einem späteren Zeitpunkt war die Hand der Lehrerin nicht
mehr nötig und wir verabredeten ein Treffen aus der Ferne auf dem
Schulhof an der Hand eines vertrauten Menschen.

Zu diesem Zeitpunkt kamen zwei weitere Punkte hinzu:
1. Es durfte nicht immer derselbe Hund sein, da dann nur dieser, aber
kein anderer Hund lieb sein würde. So wechselte ich und kam mal mit
einem tricolor Collie Rüden, mal mit einer d'sablen Hündin,
mal mit einer Golden Retrieverin.

2. Ab jetzt zeigte ich dem Mädchen aus der Ferne nicht nur, dass
die Hunde brav an der Leine gingen, sondern, dass mit den Hunden auch
Spiel und Spaß, ja Kunststückchen gemacht werden konnten.
Daraus ergab sich, dass im Laufe der Zeit das Mädchen die Hand des
vertrauten Menschen nicht mehr brauchte und schließlich von selbst
ein paar Schritte vor Neugierde auf den Hund zulief. (Dass das Kind von
sich aus auf den Hund zuläuft ist wichtig und nicht umgekehrt der
Hund auf das Mädchen zuläuft. So zeigt der Klient, wieweit er
bereit ist, die Distanz zu verringern.)
Nach einigen Wochen ging nun der Hund auf das Kind dieselbe Entfernung
zu, die vorher vom Kind als angstfrei angegeben wurde. Daraus wurde ein
wechselseitiges Spiel, wobei das Mädchen immer die Grenze zeigen
durfte und diese auch eingehalten wurde. Das Kind mußte hierbei
immer aus der Reserve gelockt werden und dies geschah meist dadurch, indem
der Therapeut oder auch eine andere Person, den Hund liebkoste, streichelte
und schmuste. Die Distanz wurde so erheblich reduziert, so dass schließlich
der große Schulhof mit dem kleinerem Klassenraum getauscht werden
konnte.
Im Klassenraum saßen das Mädchen an dem einen Ende des Raumes
am PC und ich mit dem Hund am anderen Ende . Das Kind machte seine PC-Aufgaben
ohne wenn und aber. Zwischen uns waren mehrere Tische und Stühle.
Das Kind hatte jederzeit die Möglichkeit, vom PC aufzustehen und
den Hund anzusehen, wovon es auch oftgenug Gebrauch gemacht hat. Hier
kam es im Lauf der Zeit zu einer Annäherung bis auf ca. 1m heran.
Andere Kinder waren zu jedem Zeitpunkt mit dabei. Diese waren oft eine
große Hilfe, weil diese sich ungeniert um den Hund scharrten und
diesen streichelten, so dass die Klientin mit ansah, wie lieb die Hunde
sind und wirklich nichts schlimmes taten.
Es folgte für mehrere Wochen ein Waldtraining. Hier zeigte sich,
dass das Kind nicht mehr beim Erblicken des Hundes aus der Ferne in Panik
geriet und auch beim Näherkommen, es sich ruhig verhielt. Zur Belohnung
durfte es den Hund an der Langlaufleine (Flexi) führen. Dies geschah
so, dass das Kind durch die flexible Langlaufleine selbst die Distanz
zum Hund bestimmen konnte, ich jedoch die Kontrolle über den Hund
behielt, indem ich auf der anderen Seite des Hundes diesen an einer zweiten
Leine unter Aufsicht hatte.

Schon im Klassenraum hatten die Kinder die nonverbalen Sichtzeichen als
Befehle für den Hund kennengelernt. Hier kamen sie nun zum Einsatz,
was den Stolz der Kinder erheblich steigerte. Allerdings mußte nun
der Hund seinerseits belohnt werden. Die übrigen Kinder fanden es
nicht schwierig, den Vierbeiner mit Leckerlies oder streicheln zu belohnen.
Unsere Klientin zitterte das erste mal beim Streicheln am gesamten Körper.
Die überraschende Erfahrung, dass der Hund ein ganz weiches Fell
hatte, gab ihr den Mut, es erneut zu versuchen. Dass der Hund sich noch
nicht einmal dabei umschaute, machte ihr weiter Mut. Es sei auch noch
vermerkt, dass jedesmal, wenn sie den Hund gestreichelt hat, sie sofort
von der Erzieherin ebenfalls gestreichelt wurde.
Der nächste Schritt war die Belohnung durch Leckerlis. Nicht, dass
der Hund die Leckerlies zunächst aus der Hand der Klientin nahm,
sondern, dass diese die Leckerlis dem Hund in einem Freßnapf reichte.
So kam die Schnauze noch nicht so nah heran und trotzdem nah genug, um
beobachten zu können. So konnten die Zähne, die Zunge, die Augen
etc. aus nächster Nähe gesehen und benannt werden.
In den Pausen durfte der Hund sich schließlich neben das Kind setzen
und dieses konnte den Vierbeiner nach Herzenslust streicheln. (Schau mal,
wie der sich freut!...)

Der Abschluß der Desensibilisierung fand auf meinem Grundstück
statt, indem die Klasse mich besuchte und sowohl die Kinder, als auch
jeweils ein Hunde dort frei herumliefen. Offensichtlich war hiermit meine
Arbeit beendet, denn Angstausbrüche, oder gar Panik gab es nicht
mehr. Gott sei dank!
Kontakt zur Autorin:
E-Mail : therapiehunde-deutschland@t-online.de
Homepage: http://www.therapiehunde-deutschland.de
(C) Barbara Puhl , alle Rechte vorbehalten
Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung der Autorin!
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