Magendrehung – mein schlimmster Alptraum

von Jo Ann Redditt, erschienen im Barker März/April 1998
Dieser Artikel wurde uns von Frau Karch-Kohler zur Verfügung gestellt.

Fall 1

Es war so gegen 8 Uhr und ich habe gleich nach dem Aufstehen alle Hunde gefüttert. Ark Kee wollte sein gewöhnliches Fressen nicht und klaute stattdessen das seines Bruders, Hüttenkäse mit Reis. Jetzt knapp 15 Minuten später, hörte ich ihn an der Vordertür jammern als er versuchte sein Frühstück zu erbrechen.

 

 

Wie ich das hörte, griff ich automatisch zu einer Zeitung, die ich ihm unters Maul schieben wollte, um nicht noch mehr Flecken auf den Teppich zu bekommen. Doch soweit kam ich gar nicht, denn als ich Ark Kee sah, wußte ich daß er nicht an einer einfachen Magenverstimmung litt.

Sein Bauch war aufgebläht, er bemühte sich vergeblich zu erbrechen. Ich wußte sofort aus früheren Erfahrungen, daß Ark Kee an einer Magendrehung litt.

Als erstes rief ich in der Praxis meines Tierarztes an und sagte Bescheid, daß ich mit einem Hund mit akuter Magendrehung unterwegs sei. Es war natürlich noch kein Arzt da, doch wir vereinbarten, den Nächstgelegenen zu holen und uns in der Praxis zu treffen.

Ich war noch nicht angezogen, warf mir also meinen Mantel über, sperrte die restlichen Hunde in ihre Zwinger und eilte zum Auto.

Für solche Notfälle habe ich gewöhnlich eine Transportkiste im Auto, in die ich ihn behutsam hineinlegte; während der ganzen Zeit betete ich , daß wir es rechtzeitig schaffen würden ihm zu helfen.

Die Praxis meines Tierarzt liegt ca. 10 Minuten weg, wir trafen dort um 8:20 Uhr ein. Diese Fahrt kam mir nur zu bekannt vor….ja, ich habe das schon mitgemacht. Bereits zum dritten Mal hörte ich einen meiner Hunde vor Schmerzen wimmern, während ich versuchte, beruhigend auf ihn einzureden und ihm zu versichern, daß ich mich beeile und wir alles tun werden um ihm die Schmerzen zu nehmen.

Ich parkte, trug Ark Kee hinein und erklärte an der Aufnahme, daß ich unbedingt einen Arzt brauche. „Es ist noch keiner da!“ kam die Antwort. Ein Helfer meinte, er bringe Ark Kee in einen Käfig und ein Tierarzt kümmere sich gleich nach seinem Eintreffen um ihn.

Ich fühlte meinen Zorn aufsteigen und sagte: „Nein, sie werden ihn nicht in einen Käfig bringen! Können sie nicht sehen, daß er Schmerzen hat? Wie schnell wird der Tierarzt hier sein“. „Sie ist unterwegs. Sie können wieder kommen und bei ihm bleiben wenn sie möchten.“

Ark Kee stand da, sein Leib war stark angeschwollen, wie bei einer trächtigen Hündin, die seit Wochen überfällig ist; er jammerte als wollte er sagen „Mach doch was!“. Das einzige, was ich tun konnte, war seinen Bauch reiben und ihm beruhigend zureden.

Ich ließ den Helfer wissen „wenn Dr. Froeling nicht in 10 Minuten hier ist, holen sie bitte die längste Kanüle die sie finden können!“. Er schaute mich an und sagte „er wird schon nicht sterben!“. Ich fragte „Haben sie je eine Magendrehung miterlebt?“ Er verneint. „Also falls sie das hätten, wüßten sie, daß er sehr wohl sterben kann….auf sehr schmerzhafte Weise.“

Der Helfer konnte wirklich von Glück sagen, daß Dr. Froeling gerade hereinkam. Sie brauchte Ark Kee nur anzusehen und wußte, daß er sofort operiert werden mußte. Ich umarmte ihn vorsichtig und die Tierärztin sagte, sie würde mich gleich nach dem Eingriff anrufen. Ich fuhr nach Hause, wartete und betete. Ungefähr eineinhalb Stunden später rief Dr. Froeling an um mir mitzuteilen, daß Ark Kee den Eingriff überstanden hatte, doch leider 30 Minuten nachdem sie den Schnitt zugenäht hatte, gestorben war.

Sie sagte, daß nicht nur der Magen sondern auch schon der Darm mit Schaum gefüllt und angeschwollen war. Der Verdauungstrakt war von der Blutversorgung abgeschnitten, es war unmöglich den Darm zu reinigen und wieder in die normale Form zu bringen.

Fall 2

Ark Kee war der Letzte aus einem Wurf von vier Welpen, der im Alter von neun Jahren eine Magendrehung hatte. „Daci“, seine Schwester war die erste. Sie bekam mit zwei Jahren eine Magendrehung nach der Narkose für eine Röntgenaufnahme der Hüfte. Ihre Besitzer waren auf dem Heimweg von der Virginia Uniklinik als sie die Magendrehung bemerkten.

Sie drehten sofort um und brachten sie zurück; sie bekam eine Notoperation und überlebte den Eingriff. Ich habe sie seit langem aus den Augen verloren, weiß also nicht ob sie je wieder eine Magendrehung hatte.

Fall 3

Angus (6 Jahre) war der Erste des Wurfs, der auch starb. Die Geschichte ist im wesentlichen die Gleiche, nur daß er die Magendrehung nach seiner Abendmahlzeit bekam. Ich rief unseren Tierarzt, Dr. Raymond van Lienden an. Er war so nett, in die Praxis zurückzukommen und traf mich in seiner Klinik. Angus war bereits im Schockzustand, wir konnten ihn nicht mehr operieren, er wurde aus Barmherzigkeit eingeschläfert.

Fall 4

Mit Asia, acht Jahre, war es fast das Gleiche, wir wollten so gegen 23 Uhr schlafen gehen und ich ließ die Hunde noch ein letztes Mal raus, als ich merkte, daß sie nicht gehen wollte. Ich ging zu ihr, sprach mit ihr und merkte, daß sie Fieber hatte. Da fiel mir auf, daß ihr Bauch leicht angeschwollen war. Da ich schon vorher mit Magendrehungen zu tun hatte, verlor ich keine Zeit in die Notfallklinik (20 Minuten entfernt) zu fahren. Als wir dort ankamen, war ihr Bauch völlig aufgegast.

Die Notärztin sagte, daß sie in einen Schock gefallen sei und sie dekompressiert werden müßte; operieren könnte sie erst, wenn sich der Schockzustand gebessert hat; ich solle doch nach Hause gehen, sie würde sich telefonisch bei mir melden. Gegen 2 Uhr morgens klingelte das Telefon. Die Tierärztin berichtet mir, daß es nicht möglich war, sie aus dem Schockzustand zurückzuholen und daß Asia’s Bauch noch einmal aufgaste. Wir taten, was wir für das Beste für Asia hielten und ließen sie einschläfern.

Fall 5

Viele Jahre später, als ihr Vater Down-Homes Prophet sein 17. Lebensjahr erreicht hatte, dachten wir, die Gefahr sei gebannt, ihn auf die gleiche Weise zu verlieren wie seine Welpen, doch weit gefehlt. Einen Monat später, im Oktober, gaste er gegen Mittag auf. Und wieder fuhr ich auf dem schnellsten Weg zu Dr. van Lienden , dieses mal mit ihm. Er dekompressierte ihn, indem er eine sehr lange Kanüle direkt in den Magen stach, er konnte keinen Schlauch mehr hinunter in den Magen führen, da er sich bereits gedreht hatte.

Er erlaubt mir, bei der Behandlung immer dabei zu sein; es hilft meine Hunde zu beruhigen (und für mich ist es lehrreich, bei der Behandlung zuzuschauen). Als er die Kanüle hinein stach, konnte ich hören wie die Luft entwich, fast wie bei einem kaputten Reifen.

Wir wollten an einem 17 jährigen Hund keine Operation mehr riskieren, deshalb gab er Prophet ein Beruhigungsmittel und riet mir, ihn mit nach Hause zu nehmen und ganz genau zu beobachten. Ich mußte ihm weiter Beruhigungsmittel geben, doch falls er noch einmal aufgast, hätten wir keine andere Wahl als ihn einschläfern zu lassen.

Er schlief den Rest des Nachmittags über ruhig, die Nacht verbrachte ich auf dem Sofa neben ihm. Um 2 Uhr morgens hörte ich ihn leise stöhnen und als ich zu ihm hinunter schaute, sah ich, daß er schon wieder aufgegast war. Unter Tränen trug ich all seine 75 Pfund zum Auto und fuhr zur Nottierärztin.

Sie wollte mir Schuldgefühle einreden weil ich nicht zuließ, daß sie an diesem 17 jährigen Hund eine Notoperation vornahm; doch ich versuchte ihr ruhig zu erklären, daß ich das schon zu viele Male durchgemacht hätte und daß ich nicht bereit sei dieses charaktervolle Tier noch weiteren Schmerzen auszusetzen und ihm seine Würde zu nehmen. So wurde Prophet wie seine Nachkömmlinge sanft in einen tiefen Schlaf versetzt, aus dem es kein Zurück mehr gibt.

Ich habe jeden einzelnen diese fünf Fälle von Magendrehungen, die ich persönlich miterlebt habe, geschildert, um die verschiedenen Abläufe darzustellen und um viele Gerüchte, die sich um die Magendrehung herum scharen zu zerstreuen.

Als erstes, in vielen Artikeln über Magendrehungen lesen Sie, daß sie gewöhnlich auftritt: 1. Am späten Abend; 2. nach einer großen Mahlzeit; 3. nach dem Rumtollen oder irgendeiner Art von Stress; 4. bei großen Hunden mit tiefer Brust. Einige dieser Behauptungen mögen stimmen aber es gibt noch viel mehr über die Magendrehungen zu wissen.

Meiner Erfahrung nach kann sie zu jeder Tageszeit auftreten und nicht zwangsläufig nach einer großen Mahlzeit. (Wenn Sie sich erinnern Ark Kee aß nur wenig Hüttenkäse und Reis). Lassen Sie Ihre(n) Hund(e) nach dem Fressen für mindestens zwei Stunden nicht unbeaufsichtigt.

Fall 6

Eines der Gerüchte über Magendrehungen besagt, daß sie nie bei Welpen auftritt. Doch es ist sehr wohl möglich und kommt auch vor.

Fall 7

Eine liebe Freundin von mir rief spät abends an und teilte mir mit, daß ihr Hund Ping aufgegast war. Ich riet ihr, ihren Tierarzt anzurufen. Sie konnte ihren Haustierarzt nicht erreichen, sondern wurde mit dem Bereitschaftsarzt verbunden; der meinte sie solle sich keine Sorgen machen, Shar-Pei bekommen keine Magendrehungen. Ich werde nie erfahren wie Ping bis zum nächsten Morgen durchhielt; sie brachte ihn dann zu ihrem Tierarzt.

Er intubierte Ping, um das überschüssige Gas herauszulassen und er schien sich stabilisiert zu haben. Im Lauf des Tages sagte die Tierärztin, sie könne ihn mit nach Hause nehmen; zur moralischen Unterstützung begleitete ich sie.

Wir legten Ping in seine Transportkiste, ungefähr auf halbem Weg heim sagte ich : “ Arlene, dreh um und fahr zurück…. Ping ist schon wieder aufgegast.“ Dieses Mal hatte die Tierärztin keine andere Wahl als zu operieren, doch es war zu spät – Ping hat nicht überlebt. Es gibt einige allgemeine Hinweise bezüglich der Magendrehung, die ich auf Grund von eigenen Beobachtungen an unsere Leser weitergeben möchte – dabei handelt es sich ausschließlich um meine persönliche Meinung.

Ich glaube, einige Shar-Pei haben eine genetisch bedingte Veranlagung zur Magendrehung. Wie sonst könnte ein ganzer Wurf einschließlich dem Vater davon betroffen sein?

Frühere Shar-Pei schienen häufiger an Magendrehungen zu erkranken, meine Theorie dazu: Da Magendrehungen anscheinend häufiger bei Hunden mit tiefer Brust vorkommen, vergleichen Sie doch mal einige der Shar-Pei von vor 10 – 15 Jahren mit den heutigen Züchtungen. Fällt Ihnen die Veränderung auf ?

Prophet war ein Direktimport aus Hong Kong, genau wie die Mutter seines Wurfes. Beide waren große Hunde mit tiefer Brust, genau wie alle vier seiner Nachkommen. Die heutigen Shar-Pei schienen im allgemeinen kurzbeiniger, mit einer flacheren Brust und weniger Falten im Lendenbereich. Könnte das die mögliche Lösung sein ?

Gibt es Warnzeichen? Umsicht ist immer gut.

Allerdings hatten alle meine Hunde hin und wieder leichte Verdauungsstörungen und erbrachen des öfteren Verdauungssekret – manchmal war es nur die gelbe Flüssigkeit, bestehend aus den Magensäften, manchmal kam aber auch noch eine weiße, schaumige dickliche Masse dazu – laut Tierärzten füllt sich der Magen beim Aufgasen genau damit. In diesen Fällen konnten meine Hunde diese Mischung erbrechen und kamen ohne Aufgasen davon. Ich lernte, Medikamente wie Gas-X (oder irgend ein anderes Präparat, das Simethicon enthält) zur Hand zu haben.

Das hilft, die Gasbläschen im Magen aufzulösen. Hat sich der Magen allerdings schon gedreht, können Sie kein Medikament mehr verabreichen. Die Symptome einer akuten Magendrehung sind: Unruhe – der Hund läuft hin und her, versucht sich hinzulegen um gleich wieder aufzustehen und wieder auf und ab zu laufen, vermehrter Speichelfluß; möglicherweise versucht er Gras zu fressen oder Haare oder Fussel vom Boden aufzulecken, übermäßiges Saufen; er hebt den Kopf und scheint Luft zu schlucken und natürlich jede Ausdehnung oder Schwellung im Bauchraum – ein ganz sicherer Hinweis.

Schließlich versucht der Hund zu erbrechen; ein gutes Zeichen, wenn es ihm gelingt. Das bedeutet, der Magen ist nicht abgeschnürt oder noch nicht gedreht; es bleibt Ihnen noch mehr Zeit bis zum Tierarzt. Versucht er jedoch zu erbrechen und es gelingt ihm nicht, ist der Hund wirklich in großer Not; die Zeit für eine Behandlung wird knapp.

Als nächstes Stadium zeigt der Hund Symptome eines Schockzustands – blasser Kiefer, erhöhter Herzschlag, beschleunigte Atmung, kalte Gliedmaßen und Schwäche infolge der Stoffwechselstörungen.

Durch das Anschwellen des Magens wird die Blutzufuhr in andere Teile des Körpers, wie Gliedmaßen, Herz, Gehirn, Milz u.s.w. unterbrochen.

Der Schockzustand dient von Natur aus dazu, lebensnotwendige Organfunktionen zu erhalten, indem das Blut von den Nervenenden und dem Verdauungstrakt zu Gehirn, Herz und Lunge umgeleitet wird. Unbehandelt kann ein Schock sehr schnell lebensgefährlich werden.

Die Schwellung im Bauchraum und die Schmerzen werden immer deutlicher, der Hund kann nicht einmal mehr stehen.

Unbehandelt führt die Magendrehung über einen nicht umkehrbaren Schock zum Tod; wie bei Asia und Ark Kee, obwohl ich mit ihnen binnen einer halben Stunde beim Arzt war.

Gibt es spezielle Gründe, die Magendrehungen auslösen? Neben der erblichen Vorbelastung scheint Stress in einigen Fällen eine Rolle zu spielen.

Ich habe von Shar-Pei gehört, die hatten eine Magendrehung während einer Hundeausstellung oder nachdem sie geworfen hatten; aber auch als Folge einer ärztlichen Behandlung, die eine Narkose erforderte, nach einem Angriff von einem anderen Hund oder auch nur, wenn sie während der Abwesenheit ihres Besitzers im Zwinger eingesperrt waren, u.s.w.

In manchen Fällen kann Stress sicher eine Rolle spielen, doch laut den Tierärzten eher als zeitlicher Auslöser wie als eigentliche Ursache. Manchmal tritt eine Magendrehung auch als Komplikation nach einer Narkose auf. Dr. Vidt berichtet von Fällen während der Genesungsphase eines an Aerophagie (=krankhaftes Luftschlucken) erkrankten Hundes oder durch übermäßiges Luftschlucken infolge der Aufregung während der Genesung.

Er sagt, Tierärzte griffen oft zu Medikamenten, wie Atropine um den Speichelfluß zu vermindern; das kann die Funktion des Verdauungsapparates einschränken und zur Magendrehung beitragen, vielleicht haben Sie auch gelesen, daß Herumtoben und übermäßiges Saufen nach einer großen Mahlzeit als Auslöser einer Magendrehung genannt wurden. Diese Theorie wurde jedoch durch Studien zahlreicher Universitäten in Amerika widerlegt.

Sie kamen zu dem Schluß, daß die Ernährung – egal ob Dosen – oder Trockenfutter (auch eingeweicht) keinen Einfluß auf die Verdauungsvorgänge und das passieren der Nahrung in den Darm hat.

Sie haben allerdings festgestellt, daß sehr nervöse Hunde und die, die ihr Wasser sehr schnell, anstelle langsam schlabbern, für eine Magendrehung anfälliger sind. Es gab tatsächlich zwischen April und August mehr Fälle; in der Jahreszeit also, in der die Hunde aktiver sind und mehr Wasser saufen.

Wie auch immer, sie empfehlen, Hunden anstelle einer einzigen Mahlzeit lieber zwei bis drei kleinere Rationen zu füttern.

Es gibt jedoch auch die Theorie, daß das ständige Dehnen und Zusammenziehen des Magens, hervorgerufen durch die Gabe von Trockenfutter in Verbindung mit anschließender unbegrenzter Wasseraufnahme, eine Magendrehung auslösen kann. Weicht man Trockenfutter in Wasser ein, sieht man, wie es sich je nach Sorte mehr oder weniger vollsaugt und somit aufgeht.

Passiert das im Magen, könnte es sein, daß das Dehnen und Zusammenziehen des Magens die Bänder, die ihn fixieren, überdehnt – manche glauben, dadurch werde einer Magendrehung Vorschub geleistet.

Ich jedenfalls weiche Trockenfutter immer mindestens 20 bis 30 Minuten ein, bevor ich es füttere. Mir erscheint es durchaus sinnvoll, auch wenn die Universitäten das nicht für ausschlaggebend halten.

Da Hunde nun mal auf allen Vieren laufen, wird der Magen gefördert, sich zu drehen. Würden sie wie wir aufrecht gehen, käme es wahrscheinlich kaum zu einer Magendrehung. Dr. Van Lienden jedoch sagt, es sei auch beim Menschen über Fälle von Magendrehungen berichtet worden.

Behandlung – am besten schnellstmöglichst zu einem fachkundigen Tierarzt. Klären Sie mit Ihrem Tierarzt schon im Vorfeld ab, welche Möglichkeiten Sie im Fall einer Magendrehung haben.

Geht das nicht , sollten Sie folgendes zur Hand haben:

(1) ein Medikament, das Simethicon enthält (z.B. Gas-X oder Phazyme)
(2) einen Plastikschlauch mit ca. ½ cm Durchmesser; er wird durch die Speiseröhre in den Magen geführt und dient dazu, ihn zu entleeren. („intubieren“ genannt). Sie sollten sich das von Ihrem Tierarzt erklären lassen.

Hat sich der Magen bereits gedreht, ist es natürlich nicht mehr möglich, den Schlauch einzuführen. Ihnen bleibt dann nur noch die Möglichkeit, mit einer langen Nadel etwas von dem Gas herauszulassen. Sie brauchen dazu eine 30 bis 40 cm lange Kanüle (und Alkohol zum Desinfizieren), die im Notfall direkt durch die Flanke des Hund in den Magen gestochen wird um den Luftdruck zu verringern.

Diese Maßnahme könnte die Zeit bis zum Tierarzt um eine Stunde verlängern. (Achten Sie darauf, daß die Kanüle steril ist um eine Bauchfellentzündung zu vermeiden).

Das hört sich drastisch an, aber es könnte die einzige Maßnahme sein, ihrem Hund das Leben zu retten und Ihnen etwas Zeit zu verschaffen.

Dreht sich der Magen, verändert sich auch die Lage der Milz, die sich normalerweise auf der linken Körperseite befindet. Ihre Lage kann nun variieren und es ist möglich, daß Sie die Kanüle in die Milz stechen, was eine Zerreißungsblutung zu Folge hätte, in diesem Falle das kleinere Übel. Vielleicht finden Sie durch Abtasten des Bauchraums die richtige Stelle die Kanüle zu setzten.

Sie schreibt darin:

Vor mehr als 20 Jahren verlor ich meine erste Dogge durch Aufgasung/ Magendrehung. Das hat mein Leben und meine Haltung diesen Hunden gegenüber verändert. Mir ist klar geworden, daß sie äußerst zarte Wesen sind und jeden Tag mit ihnen ein Geschenk bedeutet.

Ich habe gelernt, die Rasse an sich zu lieben, weil sie eben so zerbrechlich sind; es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an Aufgasung und Magendrehung denke, vor allem wenn ich das Haus verlasse. Meine ganze Lebensplanung dreht sich um meine Hunde, ich würde nie ohne Notfallkoffer zu einer Ausstellung fahren. Ich rief „Nature’s Farmacy“ an, um Informationen über deren Erste-Hilfe-Kästen zu bekommen.

Sie haben zweierlei Arten:

Die Standardversion beinhaltet einen Schlauch, eine Maulsperre (hält das Maul des Hundes offen, so daß Sie durch das Loch in diesem Klotz den Schlauch in die Speiseröhre einführen können, ohne gebissen zu werden), eine 30cm lange Kanüle und ein Handbuch mit Anleitung. 24.95$

Die De Luxe Ausgabe, bietet zusätzlich noch eine Flasche „Gas Away“ (100% Simethicon), 60 Kohlekapseln und eine Tube „Fastrack Gel“, wirksam zur Vorbeugung von Aufgasung. 42.75 $

Telefonnummer von Nature’s Famacy lautet: 001-800-733-498.

Wenn Sie es rechtzeitig bis zum Tierarzt schaffen, wird er Ihnen wahrscheinlich eine Operation vorschlagen; das hängt allerdings davon ab, ob sich der Hund im Schockzustand befindet; dann nämlich muß er erst eine Infusion bekommen, die den Flüssigkeitsverlust auffüllt und den Elektrolythaushalt wieder ausgleicht.

Ebenso wichtig ist das Verabreichen von Kortison und einem Antibiotikum.

Kortison hilft, den Schock zu beseitigen, ein Antbiotikum ist nötig, da sich möglicherweise bakterielle Gifte im Blut befinden und Stoffe aus dem Darm in den Bauchraum gelangt sein können. Ein EKG sollte gemacht werden um die Auswirkung der Magendrehung auf das Herz einschätzen zu können. Wenn der Hund stabil ist, kann eine große Bauchoperation durchgeführt werden. Die Milz kann entfernt werden (Hunde können ohne Komplikationen ohne Milz leben), der Magen wird wieder aufgedreht und gesäubert, der Magenausgang geöffnet; die Magenwand wird an die Bauchdecke angeheftet, um einer erneuten Drehung vorzubeugen.

Man nennt diesen Vorgang Gastropexie, Christine Wilford, D.V.M., berichtet in der AKC Gazette über eine Operationstechnik bei Magendrehung, entwickelt von Dr. Andrea Meyer-Lindenberg von der Schule für Tiermedizin in Hannover. Eine Gruppe von Hunden, die wegen Magendrehung behandelt wurden, wurden einer schnellen Operationsmethode unterzogen, die den Magen sicher hält und das Risiko einer erneuten Drehung von 75,8 % auf 6,6% senkt.

Diese dramatische Verbesserung entstand, weil die Unterseite des Magens in den Bauchschnitt mit eingenäht wird – ähnlich, als wenn sich Ihr Hemd im Reißverschluß Ihrer Jacke verhakt. Bisherige Methoden umfassen das Anheften des Magens an anderer Stellen im Bauchraum – Vorgehensweisen, die schwierig und zeitaufwendig sein können.

Da der Zustand der Patienten bedenklich ist, ist die verkürzte Zeit in Narkose fürs Überleben von Bedeutung.

Die Nachsorge beinhaltet künstliche Ernährung, so daß sich der Verdauungstrakt erholen und heilen kann, oder drei bis vier komplette Fastentage, in denen Flüssigkeit intravenös oder subkutan zugeführt wird. Danach beginnt man mit flüssiger oder pürierter Nahrung die in kleinen Portionen mehrmals am Tag gegeben wird und aus leicht verdaulichen Bestandteilen zusammengesetzt sein soll.

Eine Therapie mit Antibioika wird solange empfohlen bis der Tierarzt das Gefühl hat, der Hund ist gut ausgeheilt und Körperfunktionen wie Verdauen und Lösen wieder stattfinden.

Da sich eine Magendrehung für gewöhnlich wiederholen kann, müssen Vorbeugemaßnahmen getroffen werden; sie sollten auch beachtet werden, wenn es in den Linien Ihrer Hunde häufiger zu einer Magendrehung kam oder Ihr Hund ein erhöhtes Risiko hat:

  • Füttern sie zwei oder dreimal täglich eine kleinere Portion und beobachten Sie den Hund nach dem Fressen.
  • Der Besitzer sollte sich die Symptome einer Magendrehung vor Augen halten: aufgetriebener Bauch, jammern, hin und her laufen, aufstehen und hinlegen, strecken, der Blick zum Bauch, Unruhe und vergebliche Versuche zu erbrechen.
  • Der Besitzer sollte eine gute Beziehung zu einem ortsansässigen Tierarzt pflegen und mit ihm Maßnahmen für den Notfall einer Magendrehung besprechen.
  • Der Hund sollte jederzeit Wasser zur Verfügung haben; direkt nach dem Fressen allerdings sollte man die Wasseraufnahme begrenzen, wenn man den Eindruck hat, der Hund säuft zu viel.
  • Heftiges Herumtoben, Aufregung und Stress sollte man eine Stunde vor und bis zu zwei Stunden nach dem Fressen vermeiden. Spazierengehen ist erlaubt – es kann helfen, die normale Magen-Darmfunktion anzuregen.
  • Jeder Futterwechsel sollte schrittweise über einen Zeitraum von 3 – 7 Tagen erfolgen.
  • Gefährdete Hund (aus Abstammungen mit häufiger Magendrehung oder Hunde, die selbst schon eine hatten) sollten einzeln und an einem ruhigen Ort gefüttert werden.
  • Falls Ihr Hund eine Narkose braucht ( z.B. HD-Rötgen, Zahnreinigung, Sterilisieren oder Kastrieren) sollten sie mit dem Tierarzt die sicherste Anesthesiemethode besprechen.
  • Sie sollten nach einem Eingriff mit Narkose übermäßigen Stress vermeiden; füttern Sie den Hund erst am nächsten Tag und dann auch nur kleine Mengen Futter und Wasser.

Genau vor drei Wochen erhielt ich einen Anruf von meiner Freundin Betty Totten, aus Italien.

Ich merkte die Panik in Ihrer Stimme, „Ming ist aufgegast“. Ich konnte nur antworten „Beweg dich und suche einen Tierarzt“. „Aber wir kennen keinen außer dem Dorftierarzt und der ist übers Wochenende weg“. (Dies ist einer der Fälle, in denen es hilfreich ist, ein Medikament, einen Schlauch oder eine lange Kanüle da zu haben).

Wenn mich Leute anrufen und stellen mir Fragen über den Shar-Pei und wollen wissen, wie alt er werden kann, antworte ich ihnen, daß die Lebenserwartung eines gesunden Shar-Pei ungefähr 8 – 12 Jahre beträgt (und ich erzähle von Prophet und daß er 17 Jahre alt wurde).

Dann sage ich ihnen, daß Shar-Pei wahrscheinlich an einem dieser drei Leiden sterben: Krebs, Amyloidose oder Magendrehung. Ich habe Shar-Pei auf alle drei Arten verloren und alle brechen einem das Herz, aber ich glaube, die Magendrehung ist am schlimmsten.

Bei den anderen beiden Krankheiten bleibt Ihnen Zeit um sich auf das Unausweichliche vorzubereiten und höchstwahrscheinlich treffen Sie die letzte Entscheidung – daß es Zeit ist.

Die schlechten Tage überwiegen zu den guten Tagen und Ihr Hund scheint zu verstehen, daß Sie ihn lieben; Ihre letzte Fahrt zum Tierarzt ist ein Segen und befreit ihn von seinem Leiden. Ich glaube wirklich, daß Tiere verstehen, wenn die Zeit gekommen ist und damit viel besser klar kommen als wir.

Doch bei einer Magendrehung geht es so schnell. Der Hund hat so starke Schmerzen, daß er nicht zu verstehen scheint, warum Sie nichts unternehmen ihm zu helfen.

Ich werde diese Fahrten nie vergessen – überhöhtes Tempo, manchmal überfuhr ich eine rote Ampel und währenddessen stöhnt und windet sich Ihr Hund vor Schmerzen auf dem Rücksitz Ihres Autos. Eine Magendrehung ist grausam und erbarmungslos und läßt Ihnen keine Zeit zurückzuschlagen.

Ich kenne Fälle, bei denen die Operation erfolgreich verlief; Sie haben im Kampf einen Vorsprung, wenn Sie sich im voraus bewaffnen und wissen, was wann zu tun ist.

 

 

Ich bin sehr froh, einen netten und verständnisvollen Tierarzt zu haben; er stand mir bei, als meine Shar-Pei Krebs, Amyloidose und Magendrehung hatten und war immer für mich da; mit einer Schulter zum Ausweinen und dem Wunsch, soviel als möglich über unsere wunderbare Rasse zu lernen.

(C) Jo Ann Redditt , alle Rechte vorbehalten
Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Autors!