|
Startseite Welpen.de |
Gesamte Artikel | Alle Artikel von Dr. Christine
Löwenstein
Demodikose
Was ist Demodikose?
Demodikose ist eine Erkrankung durch Demodex-Milben (Abb. 1+2). In
geringer Anzahl leben Demodexmilben als normaler Bewohner in den Haarfollikeln
und Talgdrüsen der Haut und verursachen keine Probleme. Vermehren
sich diese Milben jedoch, können sie sehr schwere Hauterkrankungen
hervorrufen. In der Außenwelt ist die Demodexmilbe nicht überlebensfähig.
Die Milben werden in den ersten 72 Stunden wahrscheinlich während
des Saugens vom Muttertier auf die Welpen übertragen. Danach ist
eine Übertragung von Tier zu Tier und auch vom Tier auf den Menschen
sehr unwahrscheinlich.

Bild: Demodexmilben
Wenn Demodex-Milben normale Bewohner der Haut sind, warum entwickelt
sich bei einigen Hunden Hauterkrankungen?

Abb. 2: Demodexmilben
Kurzhaarige Hunderassen wie z.B. englische oder französische Bulldoggen,
Möpse Dobermann, Dackel und einige Terrierrassen zeigen eine Veranlagung,
diese Erkrankung auszubilden. Darüber hinaus gibt es eine individuelle,
genetische Prädisposition, die von den Elterntieren vererbt werden
kann. Bei diesen Tieren sollten Elterntiere und alle Geschwister von der
Zucht ausgeschlossen werden. Man unterscheidet eine lokalisierte und eine
generalisierte Form der Demodikose.
Die lokalisierte Form zeigt sich meist bei Jungtieren im ersten Lebensjahr
inform von wenigen, scharf begrenzten, haarlosen Bezirken in Gesicht oder
an den Gliedmaßen. In 90% der Fälle heilt diese Form auch ohne
Behandlung ab. Bei nur ca. 10% der Tiere entwickelt sich hieraus eine
generalisierte Form, wobei mehrere, große Bereiche des Körpers
betroffen sind. Bei erwachsenen Tieren mit einer generalisierten Demodikose
kann eine erworbene Immunschwäche vorliegen. Häufige Ursachen
hierfür sind Langzeitanwendung mit Cortison, Cushing-Syndrom, Schilddrüsenunterfunktion,
Tumorerkrankungen oder andere, allgemein schwächende Erkrankungen.
Wie sieht Demodikose aus?

Abb. 3: Demodikose
Das erste Anzeichen ist meist kreisrunder Haarausfall, der oft mit Pilzbefall
verwechselt wird. Kommt eine bakterielle Infektion hinzu, zeigen Hautrötung,
Hautverdickung, Schuppenbildung, Krusten, Pusteln, Schwarzverfärbung
der Haut und Juckreiz (Abb. 3,4,5,6).
Eine bakterielle Infektion wird meist durch Staphylococcus pseudointermedius
verursacht. Eine besondere Form ist die Pododemodikose (Abb. 7),
die sich an den Pfoten durch zusätzliche starke, schmerzhafte Schwellung
und Fistelbildung zeigt. Bei Hunden mit einer generalisierten Demodikose
ist das Allgemeinbefinden oft gestört, die Tiere sind apathisch,
haben geschwollene Lymphknoten und Fieber.

Abb. 4: Demodikose

Abb. 5: Demodikose
Abb. 6: Demodikose

Abb. 7: Demodikose
Wie wird die Demodikose diagnostiziert?
Die meisten Fälle lassen sich relativ einfach durch tiefe Hautgeschabsel
diagnostizieren. Diese Untersuchung erlaubt auch eine gute Therapiekontrolle.
Schwierig ist es, Demodexmilben an stark geschwollenen und schmerzhaften
Pfoten nachzuweisen. Hier kann in manchen Fällen nur durch Hautbiopsien
Sicherheit erlangt werden.
Wie wird Demodikose behandelt?
Die Behandlung der Demodikose verfolgt mehrere Ziele. Als erstes sollen
durch die Therapie die Milben abgetötet werden. Dieses kann entweder
durch spezielle Spülungen oder durch die Gabe von Medikamenten in
den Mund geschehen. Der Therapieplan muss für jedes Tier individuell
angepasst werden. Zum anderen ist bei Tieren mit einer bakteriellen Sekundärinfektion
der zusätzliche Einsatz von
Antibiotika und medizinischen Shampoos angebracht. Hierüber entscheidet
das Ergebnis der zytologischen Untersuchung (Hautabstrich). Bei generalisierter
Demodikose bei erwachsenen Tieren sollte gleichzeitig durch entsprechende
Tests nach dem Auslöser der Immunschwäche gesucht werden. Dabei
werden neben Blut- und Urinuntersuchungen auch Röntgen- und Ultraschalluntersuchungen
eingesetzt.
Verlauf und Behandlung der Demodikose sind meist langwierig und ziehen
sich über mehrere Monate hin. Eine regelmäßige, monatliche
Therapiekontrolle mittels Hautgeschabsel und zytologischer Untersuchung
ist von großer Wichtigkeit für eine erfolgreiche Behandlung.
Ein Tier gilt erst dann als geheilt, wenn mindestens 2 Hautgeschabsel
im Abstand von 4 Wochen negativ sind, die Behandlung 4 Wochen darüber
hinaus fortgeführt wurde und 12 Monate kein Rückfall aufgetreten
ist.
Besteht Ansteckungsgefahr für die Familie oder für andere
Tiere des Haushaltes ?
Nein, Demodikose ist nicht übertragbar, weder auf Menschen noch auf
andere Tiere.
Lesen Sie auch: Tesafilmpräparate
Kontakt zur Autorin:
E-Mail : info@hauttierarzt.de
Homepage: http://www.hauttierarzt.de
(C) Dr. Christine Löwenstein , alle Rechte vorbehalten
Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Autors!
|