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Löwenstein
Atopie (Allergie) beim Hund
Atopie/Allergie bei Hunden
Auch genannt: Atopische Dermatitis, Pollenallergie, Allergie

Abb. 1: Hund mit Juckreiz
Was ist Atopie?
Die Atopie ist eine Überempfindlichkeitsreaktion aufgrund einer erblichen
Veranlagung. Harmlose Umweltsubstanzen wie z.B. Pollen, Schimmel oder
Hausstaub führen bei entsprechender Disposition zu einer überschießenden
und unangemessenen Antikörperbildung, die eine massive Entzündungsreaktion
der Haut nach sich zieht. Atopie ist eine der häufigsten Ursache
von chronischem Juckreiz bei Hunden und einer der häufigsten Vorstellungsgründe
in der dermatologischen Praxis.

Abb. 2: Juckreiz im Gesicht
Welches sind die Symptome einer Atopie?
Das wichtigste Symptom einer Atopie ist Juckreiz (Abb. 1). Hierbei sind
besonders Gesicht, Zwischenzehenbereich, untere Gliedmaßen, Leisten
und Innenseiten der Ohrmuscheln betroffen (Abb. 2-5). Die Haut zeigt Rötung,
vermehrte Wärme, Schuppenbildung, Verdickung und in chronischen Fällen
Schwarzverfärbung. Durch permanentes Kratzen, Reiben oder Knabbern
brechen die Haare ab oder fallen aus. Oft sind wiederkehrende Ohrerkrankungen
und Pfotenentzündungen erstes und alleiniges Zeichen einer allergischen
Erkrankung. Bei ca. 70% der Hunde tritt die Atopie zum ersten Mal im Alter
von 1-3 Jahren in Erscheinung.
Was haben Hautinfektionen mit einer Atopie zu tun?
Allergische Hunde empfinden einen starken Juckreiz; diesen versuchen sie
durch Kratzen, Reiben oder Knabbern zu lindern. Hierdurch wird die Haut
verletzt und es können auch auf normaler Haut vorhandene Bakterien
oder Hefepilze in die Haut eindringen und Entzündungsreaktionen hervorrufen,
die wiederum den Juckreiz verstärken. Dadurch kratzen die Hunde vermehrt,
verstärken die Hautinfektion .
.. ein Teufelskreis, der durch
konsequente Behandlung mit Antibiotika oder Antipilzmitteln unterbrochen
werden muss.

Abb. 3: Hefepilzinfektion an den Pfoten
Welchen Allergenen sind Hunde ausgesetzt?
Viele Allergene stammen aus der Luft und sind überall verbreitet.
Manche sind das ganze Jahr über vorhanden, wie zum Beispiel Hausstaub,
Hausstaubmilben und einige Schimmelpilze, andere findet man nur zu gewissen
Zeiten im Jahr, wie zum Beispiel Baum- oder Blütenpollen. Hunde können
Allergene mit der Atemluft oder über die Haut aufnehmen.

Abb. 4: Veränderungen durch chronische Lecken
Wie wird eine Atopie diagnostiziert?
Die Diagnose basiert auf der Krankengeschichte, der klinischen Untersuchung
und auf dem Ausschluss anderer Erkrankungen, die ein ähnliches Erscheinungsbild
haben. Dies können z.B. Ektoparasiten
oder Futtermittelallergien sein.
Die Diagnose einer Atopie wird also in erster Linie aufgrund der typischen
Symptome und durch Ausschluss anderer Erkrankungen gestellt. Einen Allergietest
braucht man dazu nicht. Dieser kommt erst dann zum Einsatz, wenn man die
auslösenden Allergene identifizieren will, um die Allergenbelastung
gezielt zu reduzieren oder eine Hyposensibilisierung durchzuführen.
Viele Veterinärdermatologen bevorzugen den Hautallergietest, der
ähnlich wie der Pricktest in der Humanmedizin durchgeführt wird.
Hierbei werden die Allergene in die Haut des Hundes an der seitlichen
Brustwand injiziert und das Ergebnis ist nach 10 bis 30 Minuten sichtbar.
Wie wird Atopie behandelt?
Die Atopie ist eine chronische Erkrankung, die zwar behandelbar, aber
nicht heilbar ist. Bei der Behandlung von Atopie unterscheidet man die
ursächliche und die symptomatische Therapie. Die ursächliche
Therapie versucht die Allergenbelastung zu reduzieren und die Überempfindlichkeitsreaktion
gegen Allergene zu verringern. Die Behandlung der Symptome richtet sich
gegen Juckreiz und Sekundärinfektionen mit Bakterien oder/und Hefepilzen.

Abb. 5: Ohrenentzündung durch Atopie
Ursächliche Therapie:
Idealerweise würde man die auslösenden Allergene vollständig
vermeiden. Dies ist jedoch nicht möglich, da z.B. Pollen mit der
Luft kilometerweit verteilt werden können und es unmöglich ist,
eine hausstaubfreie Umgebung zu schaffen. Trotzdem gibt es Möglichkeiten,
die Allergenbelastung durch entsprechende Maßnahmen zu vermindern.Die
Immuntherapie oder auch Hyposensibilisierung ist das Mittel der Wahl zur
Behandlung der atopischen Dermatitis.
Das Prinzip beruht darauf, dem Tier die Allergene, auf die es allergisch
reagiert inform von Injektionen immer wieder zu verabreichen und so die
Reaktionslage von überempfindlich auf tolerant zu verändern.
Die Erfolgsquote liegt zwischen 50-80% der behandelten Tiere. Der Erfolg
der Therapie kann sich nach 2-3 Monaten einstellen, bei einigen Tieren
dauert es bis zu 9 Monaten. Ist die Immuntherapie erfolgreich, sollte
sie lebenslang weitergeführt werden.
Die Injektionen werden meistens durch den Besitzer durchgeführt.
Da es einige Zeit dauern kann, bis die Hyposensibilisierung ihre volle
Wirkung entfaltet, wird die Immuntherapie nach Bedarf durch eine symptomatische
Therapie ergänzt.
Symptomatische Therapie:
Die symptomatische Therapie bekämpft den Juckreiz und Sekundärinfektionen.
Zur Juckreizbekämpfung werden Antihistaminika, essentielle Fettsäuren,
spezielle Shampoos und Cyclosporin eingesetzt. Durch die Kombination mehrerer
Medikamente kann man eine Potenzierung der Wirkung erreichen und in vielen
Fällen cortisonhaltige Wirkstoffe vermeiden.
Cortisonhaltige Medikamente sollten nur dann eingesetzt werden, wenn
sich alle anderen Medikamente als wirkungslos erwiesen haben. Durch atopische
Dermatitis werden die befallenen Tiere empfindlicher gegen Infektionen
mit Bakterien (meist Staphylokokken) oder Hefepilze (meist Malassezia-Hefen).
Durch eine zytologische Untersuchung (Hautabstrich) können Sekundärinfektionen
sofort nachgewiesen werden und eine entsprechende Behandlung eingeleitet
werden
Kontakt zur Autorin:
E-Mail : info@hauttierarzt.de
Homepage: http://www.hauttierarzt.de
(C) Dr. Christine Löwenstein , alle Rechte vorbehalten
Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Autors!
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