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„Leben ist Lernen“ von Konrad Lorenz
Tiere sind Gefühlsmenschen, mit äußerst wenig Verstand

Als Mediziner, Verhaltensforscher und Umweltschützer hat Konrad Lorenz in der Biologie des 20. Jahrhunderts die wohl tiefsten Spuren hinterlassen. Am Ende seines Lebens hat der Ethologe seiner philosophischen Neigung immer mehr nachgegeben.

Ein Zitat aus dieser Zeit, als er als Leiter der Abteilung Tiersoziologie an der Akademie der Wissenschaften lehrte, war: Ein Ethologe ist ein Tier, das quasi Tiere beobachtet.

Aber lesen Sie, was ein großer Wissenschaftler nach fünfzig Jahren Forschung der vergleichenden Verhaltensbiologie über den Hund zu sagen hatte:





Die Probleme des familiären und gesellschaftlichen Zusammenlebens sind bei verschiedenen Lebewesen, einschließlich des Menschen ähnlich, und zwar in tau­senderlei Beziehungen, wie Laboratoriumsversuche zeigten.

Vom Standpunkt der Stammesgeschichtsforscher ist dies gar nicht verwunderlich. Wir wissen, dass vormenschliche Lebe­we­sen ohne jede rationale Steuerung Gesellschaftsformen entwickelt haben, die der allgemein menschlichen sehr ähnlich ist.

Es gibt nun mal nur eine begrenzte Auswahl an Möglichkeiten Verhaltensmechanismen zu schaffen, die es ermöglichen Partner auszuwählen, Brutpflege zu bewerkstelligen, Nachkommen zu verteidigen, ohne dass sich die Gruppenmitglieder gegenseitig bekämpfen.

Emotionell gesehen unterscheidet sich der Mensch bis heute, ungeachtet unserer gewaltigen Verstandesfähigkeiten, nur sehr wenig von den höheren Tieren.

Alle jene Organsysteme, deren Funktion auch bei uns Menschen mit Gefühlen und Affekten einhergehen, haben sich kaum geändert. Wir haben also auch vom Standpunkt objektivierender biologischer Wissenschaft gute Gründe zur Annahme, dass die höheren Tiere – und vor allem die sozialle­benden unter ihnen - in ihrem Gefühlsleben nicht hinter uns Menschen zurückstehen!

Ein Hund kann tiefes Leid empfinden, nicht anders als der Mensch, er kann sogar unter Umständen vor Herzeleid sterben.

Freuen kann sich ein Hund wahrscheinlich mehr als wir und im Lieben ist er uns sicher überlegen.

Der Hund ist bei weitem das älteste Haustier des Menschen und hat sich in den mindestens 12000 Jahren seines Zusam­menlebens mit ihm in bedeutsamer Weise verändert. Die Zuchtwahl, die Selektion, die im Wettbewerb der wilden Wesen so oft schöpferisch wirkt, hat beim Haustier meist einen gegenteiligen Effekt.

Unter den Bedingungen des Haustierdaseins überlebt nicht jenes Individuum, das am kräftigsten, gewandtesten und klügsten ist, sondern für die Zucht wählt man Tiere aus, die am anspruchlosesten sind oder am leichtesten Fett ansetzen. Oder man wählt das am wenigsten energische, faule Tier, das nicht aus dem Gehege ausbricht.

Der in dieser Richtung wirkende Selektionsdruck hat die meisten unserer Haustiere heute zu sehr vulgären und hässlichen Zerrbildern ihrer wilden Ahnen gemacht. Zwei Haustiere bilden jedoch Ausnahmen von der Regel.

Der Hund und das Pferd.

Der Hund wird seit 12000 Jahren in einer ganz besonderen Richtung gezüchtet. Ein „guter“ Hund ist keineswegs einer, der leicht mästbar ist, noch einer der sich träge in seiner Box verhält. Ein guter Hund ist vielmehr ein treuer, kluger und tapferer Hund.

Der Hund allein unter allen Lebewesen dieser Erde ist auf Eigenschaften hin gezüchtet worden, die unter uns Menschen mit gutem Recht als Tugenden bezeichnet werden.

Man muss sich also nicht darüber wundern, dass die Selektion an ihm jenes schöpferische Wunder vollbringen konnte, dem wir allüberall in der Stammesgeschichte begegnen. Vor vielen Jahren habe ich einmal den sehr sentimental klingenden Satz geschrieben: „ Es gibt nicht nur Menschen und Tiere, es gibt Menschen, Hunde und Tiere“.

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Was ich damit aussprach, war nicht mit jener trügerischen Vermenschlichung gleichzusetzen, die so manchen dazu veranlasst, die eigenen menschlichen Eigenschaften fälschlicherweise in ein geliebtes Haustier zu projizieren. Nein, was sich im Haushund im Laufe vieler Jahrtausende vollzogen hat, ist vielmehr eine völlig reale Vermenschlichung.

Er hat tatsächlich manche Verhaltensweisen entwickelt, die außer ihm und dem Menschen selbst, keinem bekannten Tier eigen ist.

Viele Humanisten werden diese Behauptung empört von sich weisen.

Aber Beobachtungen zeigten, dass ein Hund, der irrtümlich einen befreundeten Menschen gebissen hat, in einen Zustand tiefer Niedergeschlagenheit verfallen kann, obwohl er sich nie vorher ähnliche Vergehen hat zuschulden kommen lassen, also keineswegs unter der Wirkung einer abschreckenden Dressur steht.

Ich glaube, es gibt beim Hund ein nicht rationales unreflektiertes Missbehagen, dass durch den Verstoß gegen gestimmte angeborene Verhaltensregeln wachgerufen wird. Auch bei weniger schweren Verstößen konnte man dem Hund anmerken, dass er sich unwohl fühlte.

Mit dem gleichen Recht, mit dem man die bis ins hohe Alter fortbestehende Wissbegier des Menschen als ein persistierendes Jugendmerkmal auffassen kann, kann man auch die andauernde Lernfreudigkeit beim Hund als ein solches betrachten.

Der Hund bleibt im Gegensatz zum Wolf auch nach dem Erwachsenwerden zeitlebens in einem juvenilen Abhängigkeitsverhältnis zu dem Menschen, der ihn großzog. Und das ist gut so.

Nur dann kommt nämlich jenes Verhältnis des unbedingten gegenseitigen Vertrauens zustande, das selbst zwischen zwei Menschen selten besteht, zwischen zwei Lebewesen verschiedener Artzugehörigkeit aber sonst überhaupt nie.

Jeder Hund kommt also bereits mit einer Art von Wissen von Verhaltensregeln auf die Welt.

 Dieses Wissen stammt gewissermaßen aus einem, aus biologischer Tradition, gewonnenen Gedächtnis, eingeschrieben in die Gene. Denn Gene sind der Genius einer Art. Und Leben ist Lernen.





Der spielende, fühlende und lernende Mensch verkörpert den Inbegriff des Menschentums, (der Mensch ist nur dort Mensch, wo er spielt hat Friedrich Schiller gesagt), aber auch der Hund, wenn er spielt, lernt und fühlt, hat in gewissem Sinne etwas Menschliches an sich. Gerade diese menschenähnlichen, ansprechenden Seiten des Hundes haben ihn zum ältesten Haustier werden lassen, dass zum Menschen in einer Beziehung steht, die sich keineswegs auf das Physische beschränkt, sondern tief ins Gefühlsleben hineinreicht.

Zitate aus dem Leben des Wissenschaftlers Konrad Lorenz

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