Früherziehung von Welpen

Früherziehung von Welpen, die ersten Erziehungsübungen
von Sonja Reschke

Die wichtigste Voraussetzung für Mensch und Welpe ist das gegenseitige Vertrauen und das muss erst aufgebaut werden.

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Zerstören Sie das Vertrauen nicht durch zu strenge oder falsche Korrekturen. Mit unbeherrschtem Handeln zerstören Sie den Beginn des wachsenden Vertrauens und somit der Bindung. Ist der Welpe in Not und er vertraut Ihnen nicht, löst der Instinkt sein Fluchttrieb aus, er rennt kopflos weg. Damit bringt er sich unter Umständen in Lebensgefahr.

 

Der Welpe/Junghund darf nie mit einem Kind alleine gelassen werden. Kinder reagieren schon mal unbeherrscht und der Welpe kann diese Handlung nicht zuordnen.

Beißverhalten beim Welpen sind normale Verhaltensmechanismen. Die Beißhemmung ist nicht angeboren und muss geübt werden. Beißt der Welpe zu heftig in die Hände, kurz den Fang zu halten und die Übung von vorne beginnen. Das wird solange geübt, bis der Welpe sanft wird.

Nun beißen Welpen aber auch gerne mit Vorliebe in die Waden. Ich mache das immer situationsabhängig. Manchmal bleibe ich stehen und er hört dadurch auf. Oder ich drehe mich abrupt zu ihm um und schau ihn nur an und er wird verlegen. Oder ich halte ihm einen Gegenstand vor den Fang und er stolziert mit diesem davon.

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Wenn es ganz heftig wird, sage ich „Nein“, greife unter den Fang, schiebe sein Kinn nach oben und er kann sich nur noch setzen. Je mehr wir auf sein Beißverhalten eingehen, um so interessanter wird es für ihn.

Ich beobachte immer wieder, dass Welpen dieses Verhalten oft bei Kinder zeigen und es nicht besser wird.

Warum? Kinder finden dieses Verhalten zu Beginn lustig und machen sich ein Spiel daraus und rennen sogar weg. Eine schönere Einladung für den Welpen gibt es gar nicht. Jetzt wird es ja erst recht interessant für ihn. Leider ist es aber so, dass der Welpe dadurch sich so richtig in seine Verhaltensweisen rein steigert und dadurch immer heftiger wird.

Ist die Hose kaputt und das Kind hat von den spitzen Milchzähnchen Kratzer, wird der Welpe angebrüllt oder sogar gepackt. Toll! Wie soll er denn jetzt diese unbeherrschte Handlung verstehen? Sie glauben wohl nicht ernsthaft daran, dass er weiß, dass die Hose kaputt und das Kind Kratzer hat!

Kinder sollten, wenn möglich, nie auf gleiche Höhe mit dem Welpen gehen. Legt sich ein Kind auf den Boden, ist es ranggleich zum Welpen. Der Welpe sieht im Kind einen Artgenossen. Lassen Sie Kinder am Boden sitzen, damit diese vom Erscheinungsbild immer größer sind.

Leinenübungen sind wichtige Erfahrungen und müssen früh geübt werden.

Zu Beginn beschleunigen oder verlangsamen Sie Ihren Schritt, um sich erst mal dem Welpen anzupassen. Sie müssen sich die Zeit dafür einplanen. Wenn er etwas geübter ist und er nun kräftig an der Leine zieht, bleiben Sie ganz ruhig stehen, um ihm zu signalisieren: ICH GEHE SO NICHT WEITER!

Dreht er sich zu Ihnen um, hängt durch sein Umdrehen die Leine durch. Zu Beginn loben Sie ihn jedes Mal dafür und gehen weiter. Wickelt er sich schon mal aus Übermut um einen Baum, reißen Sie ihn NIEMALS zurück!

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Er kann solche Handlungen nicht verstehen. Lassen Sie einfach die Leine kurz fallen und entwirren diese vom Baum. Auch hier ist Unbeherrschtheit völlig fehl am Platz. Im Gegenteil. Der Welpe wird so niemals anständig an der Leine gehen.

Welpen stehen auch schon mal bellend oder knurrend vor einem, um Aufmerksamkeit oder Spielverhalten zu fordern.

Ignorieren Sie dieses Verhalten komplett. Niemals darauf eingehen. Jedes Mal, wenn Sie darauf eingehen, bestätigen Sie auch hier sein Verhalten.

Wenn Sie Ihrem Welpen ein Leckerchen anbieten, geben Sie ihm das Kommando „Sitz“ und halten das Leckerchen über seinen Kopf. Will er danach schnappen, sagen Sie bestimmt:“Nein-warten“ und gehen mit dem Leckerchen etwas näher. Das üben Sie so lange, bis der Welpe ganz ruhig sitzen bleibt und geben ihm zu Beginn das Leckerchen mit flacher Hand.

Nie die Hand wegziehen, wenn er danach greifen will, so lernt er nach dem Leckerchen zu schnappen.

Greifen Sie, wenn nötig, mit der anderen Hand unter den Fang, schieben den Kopf nach oben und er setzt sich wieder. Das Kommando „Sitz“ nicht wiederholen.

Kontakte mit Artgenossen sind wichtig und zu fördern für ein gutes Sozialverhalten.

Wenn ihr Welpe mit ausgewachsenen Hunden Kontakt hat, ist peinlich darauf zu achten, dass er nicht überrannt wird. Es darf auch nicht sein, dass der große Hund permanent auf ihn zustürmt und der Welpe sich ins Gras duckt aus Angst.

Irgendwann, wenn die Angst zu groß ist, wird er aus Angst heraus nach dem anderen schnappen. Der erste Schritt zum Angstbeißer ist somit getan. Vermeiden Sie solche Kontakte, sie sind nie mehr gut zu machen.

 © mekcar - Fotolia.com
© mekcar – Fotolia.com

Wenn Sie die nötige Geduld für einen Welpen nicht aufbringen können und immer wieder unbeherrscht handeln, sind Sie nicht geeignet, einen Welpen aufzubauen. Dann trennen Sie sich lieber wieder von ihm, denn die Verhaltensstörung steht Ihnen ins Haus.

Konsequente Führung ist das A und O der Hundeerziehung. Keine Überforderung. Alles Schritt für Schritt. Lernen Sie über sich zu lachen. Wenn Sie das können, haben Sie genügend Humor für einen Welpen.

 

Ich wünsche Ihnen allen gutes Gelingen und stehe für weitere Fragen jederzeit gerne zur Verfügung.

Hundeschule – Sonja Reschke

PON-Zuchtstätte „vom Basler Lümmeli“
http://www.hundeschule-sonja-reschke.de