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Angelika Bodein
FLOW IM HUNDESPORT
Haben Sie schon einmal den "perfekten Lauf" erlebt?
Auf einmal geht alles wie von selbst, Sie wissen einfach, dass Sie es
in der Hand haben, Sie sind völlig auf den Lauf konzentriert, nichts
stört Sie, Körper und Geist sind eins - ein rauschhafter Zustand.
Alles ist möglich!
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Diesen Zustand bezeichnet man als Flow. In diesem Zustand werden
Höchstleistungen erbracht. Also wäre es toll, wenn man
in jedem Lauf in den Flow kommen würde. Geht das? Passiert
Flow nicht einfach?
Wenn SportlerInnen Flow erleben, geschieht es in der Regel ganz
zufällig. Einfach deshalb, weil die Bedingungen, die dazu führen,
Flow zu erleben, SportlerInnen und TrainerInnen nicht ausreichend
erklärt worden sind.
Also können SportlerInnen nur darauf warten, dass sich der
Flow einstellt, oder sie versuchen, ihn herbeizuzwingen. Leider
führen beide Strategien nur selten zum Ziel.
Obwohl natürlich jeder Mensch den Flow-Zustand individuell
erlebt, lassen sich doch einige Elemente beschreiben, die den Flow-Zustand
begleiten. Schauen wir uns also an, was den Flow ausmacht und was
das für uns im Hundesport bedeutet.
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Was ist Flow?
Der Flow-Zustand (engl. flow = fließen, rinnen, strömen) bezeichnet
das völlige Aufgehen in einer Tätigkeit: man nimmt nicht mehr
wahr, was um einen herum vorgeht, befindet sich in einer Art Schaffensrausch
- alles "fließt" wie von selbst.
Mihaly Csikszentmihalyi hat 1975 das Flow-Erleben beschrieben und ins
Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit gebracht. Er untersuchte
den Flow-Zustand im Bereich von Risikosportarten. Heute wird der Begriff
aber auch auf rein geistige Aktivitäten angewendet.
Grundlegende Elemente von Flow im Sport
1. Gleichgewicht zwischen Herausforderung und Können
2. Klare Zielsetzung
3. Eindeutiges Feedback
4. Handlung und Bewusstsein werden Eins
5. Konzentration auf die Aufgabe
6. Gelassenheit und Kontrollgefühl
7. Befangenheit ablegen
8. Subjektive Wahrnehmung der Zeit
9. Autotelisches Erlebnis
Struktur von Flow-Aktivitäten
Flow kann nur eintreten, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt
werden:
- Gleichgewicht von Herausforderung und Können
- Klare Zielbestimmung
- Eindeutiges Feedback
Gleichgewicht zwischen Herausforderung und Können
Die Anforderung muss so gesetzt werden, dass sie den Menschen zu Höchstleistungen
anspornt.
Die Aufgabe darf also nicht zu einfach sein, sonst ist sie langweilig.
Wenn allerdings die Handlungsanforderungen die Fähigkeiten des Menschen
übersteigen, ist sie überfordert und entwickelt Angst.
Es ist also wichtig, genau das richtige Maß zwischen den Anforderungen
der Aufgabe und den eigenen Fähigkeiten zu finden.
"Es sind jedoch nicht die tatsächlich vorhandenen Fertigkeiten,
die für die HK-Balance entscheidend sind, sondern wie jemand seine
Fertigkeiten in Relation zu den anstehenden Herausforderungen wahrnimmt
oder beurteilt. Sie müssen sich darüber im Klaren sein, dass
das, was Sie glauben, leisten zu können, die Qualität Ihres
Erlebnisses stärker beeinflusst als Ihre eigentlichen Fähigkeiten.
Wie ein Langstreckenläufer einmal sagte: Ich glaube, das Wichtigste
ist wahrscheinlich das Gefühl, dass ich das Zeug habe hier dabei
zu sein'."
Damit Anforderung und Fähigkeit im Gleichgewicht bleiben, müssen
die Anforderungen stetig gesteigert und komplexer werden - denn sonst
übersteigen die Fähigkeiten die Anforderung der Aufgabe und
es wird wieder langweilig.
Keine Aktivität kann den Flow Zustand aufrechterhalten, ,,ohne dass
Anforderungen und Können komplexer werden, [...] um im Flow zu bleiben,
muss man die Komplexität der Aktivität ständig erhöhen,
indem man neue Fertigkeiten entwickelt und sich entsprechend neue Herausforderungen
sucht."
Klare Zielbestimmung
Die Handlung muss zielgerichtet sein, d.h. es muss klar sein, was ich
erreichen will. Das bestimmt was und wie viel getan werden muss, um das
Ziel zu erreichen.
Eindeutiges Feedback
Wenn das Ziel der Handlung klar formuliert ist, dann kann auch an jedem
Punkt kontrolliert werden, ob ich auf dem richtigen Weg bin.
Ich erhalte also eine eindeutige und unmittelbare Rückmeldung über
den Erfolg oder Misserfolg meiner Handlung.
Was bedeutet das für den Hundesport
Wie viele Punkte erreichen Sie?
Welchen Platz erreichen Sie?
Platzieren Sie sich vor einer bestimmten Konkurrentin?
Laufen Sie eine bestimmte Übung fehlerfrei?
Führen Sie den Wechsel korrekt aus?
?
D.h. in Wettkämpfen, in denen Sie eigentlich denken, den Anforderungen
nicht gerecht zu werden, überlegen Sie sich ein Ziel, dass Sie fordert.
Es muss (noch) nicht der Sieg sein, sondern ein Schritt auf dem Weg zum
Sieg
Und auch auf Wettkämpfen, in denen Sie sich unterfordert fühlen,
in denen Sie den Sieg bereits in der Tasche haben, können Sie sich
ein individuelles Ziel setzen, so dass Sie der Wettkampf trotz allem fordert
und Sie Höchstleistungen bringen.
Ich weiß, das sagt sich sehr einfach. Und es ist auch einfach. Das
kann man in kurzer Zeit lernen und so immer häufiger den Flow-Zustand
mit den damit verbundenen fantastischen Gefühlen hervorrufen.
Wie Menschen Flow empfinden
Flow wird von jedem Menschen anders wahrgenommen. Die folgenden Elemente
können den Flow allerdings begleiten, manchmal alle miteinander oder
auch nur einzelne:
> Handlung und Bewusstsein werden Eins
> Konzentration auf die Aufgabe
> Gelassenheit und Kontrollgefühl
> Subjektive Wahrnehmung der Zeit
> Befangenheit ablegen
> Autotelisches Erlebnis
Handlung und Bewusstsein werden Eins
Im Flow verschmelzen Körper und Geist miteinander: es kommt zu einer
Verschmelzung von Handeln und Denken. Die Aufgabe wird wie von selbst
in einen in einem mühelosen Rhythmus bewältigt - in völliger
Versunkenheit ohne die Umwelt wahrzunehmen.
Die Gedanken sind völlig klar, die Sinneswahrnehmung ist geschärft.
"Im Flow Zustand folgt Handlung auf Handlung, und zwar nach einer
inneren Logik, welche kein bewusstes Eingreifen von Seiten des Handelnden
erfordert. Er erlebt den Augenblick als einheitliches Fliessen."
Konzentration auf die Aufgabe
Der Handelnde ist sich zwar seiner Handlungen bewusst, nicht aber seiner
Selbst. Er richtet den Fokus völlig auf die Aufgabe, die vor ihm
liegt.
In dem Augenblick, in dem die Aufmerksamkeit gestört wird (z.B. durch
Fehler) und so Störfaktoren der Umwelt wieder wahrgenommen werden,
wird der Flow unterbrochen.
Es ist natürlich sehr schwer, vollständig fokussiert zu bleiben
und deshalb dauert eine Flow-Perionde meist nur kurze Zeit.
Gelassenheit und Kontrollgefühl
Im Flow hat der Handelnde das Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben.
Dabei geht es nicht um die tatsächliche Kontrolle, sondern der Handelnde
weiß, dass er die Situation kontrollieren kann. Er ist von seinen
Fähigkeiten überzeugt und weiß, dass er die Aufgabe bewältigen
kann.
Aus dieser Einsicht resultiert Selbstvertrauen und Gelassenheit, der Handelnde
hat das Gefühl, nichts falsch machen zu können. Die Handelnden
wissen innerhalb des Flows genau, was jetzt gerade gut oder schlecht ist.
,,Auf jeden Fall ist das Kontrollgefühl eine der wichtigsten
Komponenten des Flow Erlebens."
Subjektive Wahrnehmung der Zeit
Im Flow wird Zeit ganz subjektiv wahrgenommen. Sie kann schneller
vergehen, vielleicht läuft sie aber auch in Zeitlupe ab, vielleicht
scheint sie aber auch still zu stehen.
Befangenheit ablegen
Im Flow verschwinden Ängste, Unsicherheit und negative Gedanken.
Damit es dazu kommt, muss die Sportlerin eine realistische und ehrliche
Antwort auf die Frage zu geben, ob sie stark genug ist für den Wettkampf
und wo die eigenen Schwächen liegen.
Mit einem persönlichen Profil über Wettkampfstärken und
-schwächen kann der Frage nachgegangen werden, in welchem Bereich
ein Sportler am anfälligsten ist.
Loehr schlussfolgert:
"Entdecken Sie das schwächste Glied in der Kette Ihrer Stärken
und Schwächen als Sportler. Fehlen Ihnen die darstellerischen Fähigkeiten?
Stellt Ihr Real-Ich zu hohe Ansprüche? Sind Sie den physischen Anforderungen
gewachsen?
Die Antworten auf solche Fragen sind für den Aufbau neuer Stärken
von entscheidender Bedeutung."
Autotelisches Erlebnis
Wenn man eine Sache um ihrer selbst willen tut, d.h. wenn die Motivation,
diese Sache zu tun, in der Sache selbst begründet ist, dann spricht
man von einem autotelischen Erlebnis. Der Handelnde benötigt keine
externen Ziele und Motivationen.
Nur das Tun selbst ist entscheidend und selbstbelohnend.
Der Handelnde fühlt sich "high" und dieses Hochgefühl
hält längere Zeit an: der Handelnde hat gespürt, wie sich
Perfektion anfühlt.
Bei Fragen, Anregungen und Kritik wenden Sie sich bitte an mich per
email:
Kontakt zur Autorin Angelika Bodein:
E-Mail : a.bodein@sonnenklar.net
Homepage: www.hunde.sonnenklar.net
(C) Saskia Bodein, alle Rechte vorbehalten
Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Autors!
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