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Magendrehung durch Darmträgheit?
Überall kann man lesen oder hören, dass die häufigsten
Auslöser für einen Magendreher psychisch bedingt sind, der Hund
zu große Futtermengen bekommt. Falsches Futter oder die Aufnahme
von Dingen, die überhaupt nicht für den Hundemagen gedacht sind,
können ebenfalls der Auslöser sein. Aber wir hatten noch nie
etwas davon gehört, dass eine Darmträgheit der Auslöser
sein kann.
Wenn man dann wie wir innerhalb von 6 Monaten drei Magendreher
miterlebt, macht man sich schon mehr Gedanken. Unsere Cara hatte sich
über biologisches Katzenstreu hergemacht. Die Pelets aus Pinien füllten
aufgequollen ihren Magen. Die Operation überstand sie gut und mein
Mann wollte sie schon wieder abholen. Sie begrüsste ihn noch mit
einem Schwanzwedeln, dann brach aber ihr Kreislauf zusammen. Ginger hatte
innerhalb von 4 Wochen gleich zweimal einen Magendreher, die sie erfolgreich
überstand.
Ihr Mageninhalt bestand aber nur aus einer geringen Menge
Futter, da die letzte Mahlzeit Stunden her war. Den zweiten Magendreher
stellten wir so schnell fest, das der Magen noch nicht ganz abgeschnürt
war. Mit dem Schlauch wurde der Mageninhalt heraus geholt und dann drehte
sich der Magen "Gott sei Dank" von selbst wieder in die richtige
Richtung. Eine zweite Operation innerhalb so kurzer Zeit und in diesem
Alter (11 1/2 Jahre) hätte sie wahrscheinlich nicht überstanden.
Wir suchten natürlich nach dem Grund und waren dann
ziemlich ratlos und fühlten uns machtlos. Die Hunde bekommen adäquates
Futter, kein Essen von uns (außer Obst). Sie sind auch ausreichend
sozialisiert, denn sie leben hier in einem Rudel frei im ganzen Haus.
Sie haben ausreichend Kontakt zu jeder Menge anderer Hunde. Wir verhätscheln
oder vermenschlichen unsere Hunde sicher auch nicht. Das Umfeld ist wie
immer, also für uns keine erklärbaren Gründe für einen
Auslöser.
Einige, die uns kennen, werden nun sagen, das der Umzug
oder der Bau schuld sind. Das schließen wir aber aus! Denn der Umzug
war Wochen vor dem ersten Magendreher und unsere Baustelle ist direkt
neben dem Haus, in dem wir jetzt übergangsweise wohnen. Die Hunde
sind immer um uns herum, bekommen ihre gewohnten Spaziergänge und
haben durch die Handwerker eigentlich noch mehr Zuwendung. Turbulent geht
es bei uns auch immer zu. Auch das ist nichts Neues für unsere Hunde.
Aber selbst wenn auch, wie soll man dann den Magendreher verhindern? Muß
man hinnehmen, dass es einfach passiert?
15 Jahre fuhren wir gut in dem wir die Hunde einmal am Tag
fütterten und zwar Abends nach dem letzten Spaziergang um die Nachtruhe
für die Verdauung zu haben. Nach dem ersten Magendreher von Ginger
stellten wir dann auf 3 Mahlzeiten um, damit sich ihr Magen wieder regenerieren
konnte und da es den anderen auch nicht schaden konnte, bekamen auch sie
dreimal Futter. Aber selbst die 3 Mahlzeiten haben es nicht verhindert.
Nur vier Wochen später hatte sie den zweiten Magendreher.
Zwischen diesen Drehern und danach hatte sie immer wieder
einen so geblähten Magen, so dass wir immer auf dem Sprung saßen.
Die Gase fanden aber weder vorne noch hinten den Ausgang. Uns schien es
auch so, als hätte sie immer einen aufgezogenem Rücken. Sie
wirkte verkrampft. Spielen war nicht mehr ihr Ding, sie sprang nicht mehr
ins Auto, unsere morgendlichen Radtouren schienen ihr schwer zu fallen
und überhaupt hatte sie an Leben verloren.
Uns fiel auf, das unsere alten Hunde sich in letzter Zeit
zu "Wanderkackern" entwickelt hatten, was heißen soll,
das es mit dem Lösen nicht mehr so einfach ging. Cola (13 1/2 Jahre)
hatte bisher zwar nie Probleme deswegen, aber man merkte doch, das sie,
wie Ginger auch, sich erheblich plagte, bis sie endlich los war, was raus
musste.
Nun kann man 1 + 1 zusammenzählen: Hunde und sicher
besonders alte Hunde können, wie Menschen auch, einfach an Darmträgheit
leiden. Kann der Darm sich nicht komplett entleeren, bleibt zu viel im
Magen. Die neue Mahlzeit kommt hinzu und der Hund empfindet sicher ein
starkes Völlegefühl, wird schlapp, lustlos, träge. Der
Mageninhalt, der schon längst im Darm sein sollte gärt und gast.
Optisch hat man den Eindruck, der Hund sei zu dick. Da schafft dann ein
"Entgasungsmittel" auch nur kurzweilig Entlastung. Aber das
Problem ist nicht beseitigt, denn der Darm ist nicht leer!
Also versuchten wir es einfach mal mit einem homöopathischen
Mittel. Für uns heißt das Wundermittel "Nux vomica".
Dreimal am Tag 5 Globolis und es funktioniert wieder wie eine Eins. Manchmal
zu gut, denn nun kann es passieren, das Ginger schon mal dringend muss,
wo man eigentlich nicht sollte, z.B. mitten in der Stadt. Nun geh ich
sicher nicht mehr ohne Fifitüten aus dem Haus!
Aber ich freue mich über jedes "Geschäftle",
das problemlos erledigt wird. Nun ist sie wieder rank und schlank. Hat
keine Blähungen mehr, spielt wieder, springt ins Auto und zich mal
am Tag kommt sie schwanzwedelnd zu uns, als wollte sie bestätigen,
das wir was Gutes getan haben.
Seit dem zweiten Dreher weicht sie mir nicht mehr von der
Seite. Unser Abstand beträgt höchstens 5 Meter. Das ist wohl
Gingers Vorsichtsmaßnahme, falls es doch noch mal passiert.
Wir nehmen ihr Zeichen dankbar an und hoffen, dass sie nun
noch einige gute Jahre hinter sich bringt!
Symptome (Aus "Praktikum der
Hundeklinik" von Hans G. Niemand)
Diese treten häufig abends oder nachts auf im Anschluß an eine
reichliche Fütterung. Die Tiere sind unruhig, würgen, geifern
und versuchen erfolglos zu brechen. Auffällig ist eine zunehmende
Aufblähung des Abdomes und eine damit gekoppelte steigende Atemnot.
Es folgt eine immer ausgeprägtere Kreislaufschwäche mit Tachykardie,
raschem, schwachem Puls, blassen Schleimhäuten, Taumeln, Zusammenbrechen,
Tod.
"Fast" eine Gegendarstellung
In allen drei Fällen waren unsere Hunde nur in der Form unruhig,
als dass sie unsere Nähe suchten und dafür sogar Türen
öffneten, was sie sonst nicht taten. Geifern, erfolgloses brechen
gehörte nicht dazu. Sie würgten lediglich zwei-, dreimal, als
hätten sie etwas im Hals. Das Einzige was uns auf den Magendreher
schließen ließ: Der wirklich extrem aufgeblähte Magen,
fast steinhart.
Unser Gespräch mit unserer
Tierärztin:
Sie sagte uns, dass der Großteil der Hunde nicht durchkommt.
Der größte Faktor ist "die Zeit!" Der angegriffene
Kreislauf ist oft nicht wieder zu stabilisieren. Eine große Rolle
spielt aber auch, wie lange der Magen überdreht war. Oftmals ist
eine Wiederdurchblutung des Magens nicht möglich, weil er zu lange
abgeklemmt war und abgestorben ist.
Besondere Probleme macht natürlich auch der Mageninhalt.
Frisches Brot z.B. gärt auf besondere Weise. Es bilden sich nicht
Gase sondern Bläschen. Das kann zu einem Magendreher führen.
Sie findet das immer wieder vor und kann nur den Tip geben kein Brot zu
geben! Die Darmträgheit und die Folgen bestätigte sie uns und
ist mit der Behandlung zufrieden, ebenso mit Ginger.
Wie werden wir in Zukunft damit
umgehen:
Unsere Hunde werden behandelt wie bisher auch. Sie jetzt
in ein Glashaus zu setzen, würde ihnen sicher psychisch schaden.
Die einzige Änderung: Unsere Hunde bekommen nun immer 3 Mahlzeiten
und selbst Trockenfutter wird immer aufgeweicht. Das Einzige, was wir
nicht mehr zulassen, ist ihr Wälzen im nassen Gras. Hier haben wir
dann doch zu große Bedenken, ob sich der nun ausgeleierte Magen
immer so mitdreht.
Wir haben gesehen, das man es nicht verhindern kann und
wir mußten auch erfahren, das es eine erfolgreiche Operation geben
kann und der Hund es trotzdem nicht schafft. Ich kann nur dahin gehend
beruhigen, in dem ich versichere, das man es "sieht". Der Magen
bläht sich so auf, das man es auch bei langem dicken Fell sehen kann.
Wer schon einmal eine hochträchtige Hündin gesehen hat, kann
es sich in etwa vorstellen, nur mit dem Unterschied, dass der Bauch sehr
hart ist.
Wichtig ist, das man sofort reagiert, wirklich keine Zeit
verliert und jedem ist nur zu wünschen, das er einen solchen Tierarzt
hat wie wir!
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- aber noch lange nicht krank
(C) Bärbel Widmann, alle Rechte vorbehalten
Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Autors!
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