Hovawart

Steckbrief

Das überaus umfangreiche mittelhochdeutsche Wörterbuch von Gerhard Köbler setzt den alten Begriff “hove” mit “Hof” gleich. Hier leben die großen Hofhunde – hovewarte. “wart”, das alte Wort für Hüter oder Wächter, beschreibt deren Aufgabe als Hüter der Wirtschaftshöfe.

 

Sie werden geschätzt und sind wertvolle Tiere. In einem schriftlich fixierten Landrechtsbuch der damaligen Zeit wird der Diebstahl eines solchen Hofhundes mit einer empfindlichen Strafe belegt.

Bereits 1869 ist eine dem aktuellen Aussehen des Hovawarts ähnliche Hundefamilie auf einer Darstellung des Tiermalers Benno Adam zu sehen.

hunderasse hovawart
Hovawart ( C) Welpen.de

Es dürfte sich um einen grossen, hirtenhundähnlichen Typ mit einen dicken Fell, welches vor jeder Witterung schützt, gehandelt haben. Zudem muss er ziemlich genügsam gewesen sein, eine sehr enge Bindung an den Menschen besessen haben und einen ausgeprägten Wach- und Schutztrieb gehabt haben.

Ein Schriftsteller aus dieser Zeit berichtet von einem verwundeten Hovawart, der ein Baby aus einem brennenden Familienschloss gerettet haben soll.

Der Diebstahl eines Hovawarts wurde damals sehr schwer bestraft, ausserdem musste der Dieb den Hund an seinen Besitzer zurückgeben.

Da ihr Wert als Wachhund so hoch veranschlagt wurde, bestrafte man einen nächtlichen Diebstahl schwerer als einen, der bei Tageslicht begangen wurde. Mit dem Niedergang des deutschen Adels des Mittelalters scheint auch der ursprüngliche Hovawart von der Bildfläche verschwunden zu sein, denn über Jahrhunderte wurde die Rasse weder gesehen noch erwähnt.

Im ausgehenden 19. Jahrhundert nimmt das Erscheinungsbild der Haus- und Hofhunde die Form des heutigen Hovawarts an.

hunderasse hovawart bei welpen.de
© Alterfalter – Fotolia.com

Geschichte

Seit 1937 ist der Hovawart als eigenständige Rasse geführt – zuvor scheint sie nahezu ausgestorben zu sein. Mit Neuzüchtungen typgemäß ähnlicher Hunde rekonstruieren ab Anfang der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts einige Züchter den mittelalterlichen Hofhund.

Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts erschien die Rasse wieder neu durch die Arbeit des Hundeliebhabers Kurt F. König. Seitdem gibt es viele Auseinandersetzungen darüber, ob es sich beim Hovawart des 20. Jahrhunderts um eine “wieder erfundene” oder um eine gerettete Art handelt.

Kurt F. König kreuzte Bauernhunde aus dem Harz und dem hessischen Odenwald mit diversen Hirten- und Sennenhunden,Neufundländern und zotteligen Schäferhunden. Zudem wurden laut den Anhängern der “Wiedererfindungstheorie” Leonberger, halbwilde afrikanische Buschhunde und Kuvasz eingesetzt.

So wurde angeblich diese zähe Arbeitsrasse erschaffen, welche dem ursprünglichen Hovawart ähnelt.

Da aber weder der Leonberger noch der Deutsche Schäferhund zu der Zeit bereits gefestigt waren, ist es nur schwer vorstellbar, dass man es bei solchen extremen Kreuzungen in so kurzer Zeit geschafft haben könnte, den alten Typ zu festigen und eine Reinzucht zu ermöglichen.

Anhänger einer “Rettungstheorie” dagegen glauben, dass der ursprüngliche Hovawart auf abgelegenen Höfen im Harz und im Schwarzwald überlebt hat und Kurt F. König und seine Mitstreiter diese Gebiete durchsucht hätten und so an Hunden kamen, die das gewünschte Aussehen besassen.

Diese Hunde von den Bauernhöfen seien das eigentliche Zuchtmaterial für den “neuen” Hovawart gewesen.

Leider hat Kurt F. König zeitlebens jede Auskunft zu dieser Frage verweigert. Auf jeden Fall war der “neue alte” Typ bereits in den ersten Jahrzehnten des letzten Jahrhunderts gut gefestigt, 1922 wurde der erste Wurf eingetragen und 1937 wurde die Rasse vom Verband für das Deutsche Hundewesen anerkannt.

Durch den Zweiten Weltkrieg stockte der Neubeginn der Rasse durch die Nahrungsmittelknappheit und die Unterbrechung der Zucht, aber auch durch die anschliessende Teilung Deutschlands, da sehr viele Zwinger im Ostteil Deutschlands lagen.

Glücklicherweise blieben die Anhänger der Rasse ihr treu, sodass mittlerweile der Hovawart in Deutschland zwar nicht sehr zahlreich, aber doch ausreichend fest verankert ist. Seit 1964 gehört die Rasse zu den anerkannten Diensthundrassen, im gleichen Jahrzehnt begannen Liebhaber der Rasse in Österreich, der Schweiz, den Niederlanden, Dänemark, Finnland, Schweden und in Schottland, eigene Zuchtvereine zu gründen.

In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde die Rasse dann auch in den USA eingeführt.

In Europa hat der Hovawart Anerkennung als Gebrauchshund gefunden und steht damit auf einer Stufe mit den Deutschen Schäferhunden, Boxern, Dobermännern, Rottweilern, Airedale Terriern und den Riesenschnauzern.

Die Verbände sind in Bezug auf Zuchtzulassung ziemlich streng, es wird genauestens auf Körperbau, Farbe, gesunde Hüften und die allgemeine Gesundheit geachtet.

Auch Schutztrieb und Schußscheue werden getestet. Im Hinblick auf die Hüftgelenksdysplasie ist das deutsche Zuchtmaterial in hohem Maße frei von Befall.

Aussehen und Verwendung

Der Gebrauchshundecharakter steht hierbei im Vordergrund und die Rasse zählt heute zu den deutschen Hunderassen mit überdurchschnittlich guter Gesundheit und hoher Lebenserwartung.

Mittelgroß, von kräftiger Statur und sehr variationsreich zeigt sich die dem FCI-Standard der Nummer 190 zugeordnete junge Gebrauchshunderasse. Der Hovawart kann – auch innerhalb eines Wurfes – in drei Variationen auftreten: Schwarzmarken, in Blond und Schwarz.

Der Hovawart ist für alle Bereiche des Hundesports hervorragend geeignet, insbesondere für Unterordnungsprüfungen und die Schutzhundeausbildung, aber auch für ernsthafte Aufgaben im Polizeidienst oder als Rettungs- und Lawinenhund ist er sehr gut zu verwenden.

hovawart in allen drei farben
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Letztere Fellvarietät ist selten anzutreffen und sie weist einen weißen Fleck in der Brustmitte auf. Über die Hälfte der Hovawarte bekommt ein schwarzes Fell mit hellen Zeichnungen. Die blonden Vertreter dieser Rasse werden hin und wieder mit dem Golden Retriever verwechselt. Bei allen ist das Fell durchweg langhaarig und leicht gewellt, mit schwach entwickelter Unterwolle.

Fellpflege

Es bleibt, im Vergleich zu dem anderer langhaariger Hunderassen, pflegeleicht. Hierzu muss es gewissenhaft gebürstet werden, vor allem am Hals, an den Läufen und der Rute, wo es jeweils lang ausgebildet ist.

Größe und Gewicht

Mit durchgängig fünf Zentimetern mehr Widerristhöhe als die Hündinnen sind die 63 bis 70 Zentimeter großen Hovawart-Rüden zwischen 30 bis 40 Kilogramm schwer.

Hündinnen bringen es auf 25 bis 35 Kilogramm Gewicht. Geschlechtsunterschiede im Körperbau und in der Kopfform sind erkennbar und ausdrücklich erwünscht. Die muskulösen Hunde sind sehr lebendig, können ausdauernd laufen und hervorragend springen. Mit großer Ausdauer nehmen sie ihnen abverlangtes Arbeiten und Spielen an.

Hovawart Wesen

Immer noch sind Hovawarte ziemlich unterschiedlich in ihrem Temperament. Normalerweise ist er ein temperamentvoller, lernfreudiger Hausgenosse, der zudem sehr umgänglich ist und zuverlässig wacht und schützt.

Da er viel Bewegung und Beschäftigung benötigt, um glücklich und gesund zu bleiben, ist er für bequeme Menschen sowie für die Haltung in einer beengten Stadtwohnung nicht geeignet.

Der Hovawart ist bis ins hohe Alter neugierig und verspielt und benötigt deshalb bei der Erziehung viel Geduld.

Je mehr sie gefordert werden, desto zufriedener und damit ruhiger verhalten sie sich in ihrer Unterkunft. In guter Hovawart-Manier werden familienfremde Menschen und Tiere laut und deutlich gemeldet. Weitere Lautäußerungen hat der Familienhund nicht nötig.

Der Hovawart will an allen Familienaktivitäten beteiligt werden, seine Bindung an das Rudel ist im Idealfall stark ausgeprägt.

Mit “seinen” Kindern geht er tolerant um – selbstverständlich gilt (wie bei allen Hunden), dass der Hund einen derartigen Umgang erlernen muss. Der verantwortungsbewusste Hundehalter hat zudem jederzeit ein Auge auf das Menschenkind im Zusammenleben mit dem Vierbeiner.

Erziehung vom Hovawart

Seine Position im Familienverband hat ein Hovawart nicht per se verinnerlicht, sie ist ihm durch beharrliche und liebevolle Erziehung anzuerziehen. Zuvor ist die Bereitschaft zur Unterordnung kaum spürbar.

Der Ursprung und die Selbstständigkeit des Hundes fordern geradezu das Austesten der Grenzen. Von klein auf sind klare Regeln für den Hovawart wichtig, zu lasch erzogen kann er sich dickköpfig bis störrisch entwickeln.

der hovawart im portrait
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Jedoch ist die Persönlichkeit eines Hovawarts so vielgestaltig, wie die der Halter der Hunde; das hat in der mit Nachdruck vollzogenen Erziehung Berücksichtigung zu finden. Der anführende Mensch will von dem Hund anerkannt werden und muss das Vertrauen des Tieres gewinnen und erhalten.

Das Führen gewohnte Hundehalter beschreiben ihren Hovawart stets als leichtführig.

Darüber hinaus fixiert sich der Hovawart nicht zu sehr auf den Anführer, infolgedessen hat die ganze Familie in ihm einen treuen, verspielten und wachsamen Begleiter. Dank einer hohen Reizschwelle bringt ihn obendrein so schnell nichts aus der Ruhe.

Das A und O für den Hovawart sind Bewegung und Beschäftigung.

Hiermit werden die Weichen für das harmonische Miteinander gestellt. In allen Belangen bewegliche Menschen sind es, die dem intelligenten und lernbereiten modernen Hofhund ein angenehmes Leben ermöglichen können.

 

Das Lauf und Bewegungsbedürfnis des verspielten Hundes ist kaum zu überschätzen. Mit großer Genugtuung begleitet er seine Menschen, die laufen, reiten oder Fahrrad fahren. Im Hundesport gibt er alles und für den Einsatz als Fährten- sowie Rettungshund bringt der Hovawart gute Voraussetzungen mit.

hovawart züchter
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Seine Arbeitsfreude erlahmt nur langsam und die Nase des freundlichen Gesichts ist fortwährend auf der Suche. In der Fährtenarbeit erlangen die meisten Hovawarte Lebensinhalt und Erfüllung.

Züchter der Rasse

Hovawart Züchter bei Welpen.de