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Sealyham Terrier

September 30th, 2008 by klaus


Der Sealyham Terrier gehört zur FCI-Gruppe 3 der Terrier und hat seinen Ursprung im zu Grossbritannien gehörenden Land Wales.

Seinen Namen hat er von dem Gut Sealyham in der Nähe des Ortes Haverfordwest in der Waliser Provinz Pembrokeshire erhalten, wo die Rasse in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Rahmen eines von einem einzigen Mann äusserst sorgsam durchgeführten Zuchtprogrammes entstanden ist.

Der Besitzer des Gutes Sealyham, ein gewisser Captain John Owen Tucker Edwardes hatte sich damals das Ziel gesetzt, den perfekten Terrier zu züchten. Dieser Terrier sollte einerseits klein genug sein, um Fuchs und Dachs bis unter die Erde zu verfolgen und sie aus ihrem Bau zu treiben, andererseits sollte er mutig genug sein, um mit der Meute der Otterhounds, die John Edwardes ebenfalls züchtete, auf Otter zu jagen.

Der heute gültige Standard sieht für die Rasse eine optimale Grösse von maximal 31 cm vor, dass Gewicht soll dabei möglichst zwischen 8,2 und 9 kg liegen. Das Fell des Sealyham Terriers besteht aus einem langen, harten und drahtigen Deckhaar mit einer dichten und wetterfesten Unterwolle, die aus weichen Haaren besteht.

Die vorherrschenden Farben des Fells sind Reinweiss oder Weiss mit Zitronengelb. Dazu kommen dann eventuell noch braune, blaue oder dachsfarbene Abzeichen an den Ohren und am Kopf. Besonders bei Hunden, die ausgestellt werden sollen, ist die tägliche Pflege des Fells ein unbedingtes Muss.

Zudem benötigt der Sealyham Terrier häufiges Bürsten und regelmässige Besuche bei einem professionellen Hundefriseur, um das Fell in Form trimmen zu lassen.

Die Hinterläufe des Sealyham Terriers sind angesichts der geringen Grösse des Tieres überraschend stark entwickelt. Ausserdem ist er noch für seine Langlebigkeit bekannt.
Obwohl feststeht, dass der Sealyham Terrier von John Edwardes entwickelt wurde, ist heute nicht mehr festzustellen, wie diese Rasse nun genau entstanden ist, da John Edwardes über seine Züchtungen leider keinerlei Buch führte.

Es ist jedoch anzunehmen, dass er einen untersetzten weissen Terrier, den es schon lange zuvor in Pembrokeshire gab, mit einem Dandie Dinmont Terrier kreuzte, um dessen Mut und seine kurzen Läufe in die neue Rasse einzubringen.

Andere Meinungen gehen dahin, dass er die Zucht mit einem Pembroke Corgi begann. Auch Bullterriergene führte er noch ein, um so einen kräftigeren Kiefer zu erhalten. Zu den weiteren Vorfahren des Sealyham Terriers werden höchstwahrscheinlich auch der West Highland White Terrier, der Drahthaar-Foxterrier und der mittlerweile ausgestorbene Old English White Terrier gehört haben.

Zum Teil wird auch noch über die Einkreuzung eines Bassets aus Flandern spekuliert, der zu den kurzläufigen Laufhunden aus Nordfrankreich gezählt wird. John Edwardes war ein radikaler Anhänger der These des “Survival of the fittest”, d.h. “des Überlebens des Stärkeren” und züchtete unter extrem brutalen Auswahlmethoden, die heutzutage mit Sicherheit ein Fall für den Tierschutz wären, sogenannte “keepers”, also Hunde, die unter allen Umständen bedingungslos das festhielten, was sie einmal gepackt hatten.

Captain John Edwards liess seine jungen Hunde bei seinen Pächtern aufwachsen. Auf deren Gehöften hatten sie dort schon von klein auf mit Ratten und anderem Raubzeug zu kämpfen. Wenn John Edwardes nun einen seiner Junghunde besichtigen wollte, hatte er immer ein Gewehr und ein Paar von seinen angriffslustigen und bereits erwachsenen Terriern dabei.

Wenn er sich nun mit seinen aggressiven älteren Hunden dem Gehöft näherte, erwartete er von dem dort aufwachsenden Junghund, dass dieser sein Territorium sofort mutig verteidigte. Falls er nachgab und zurückwich oder sogar die Flucht ergriff, wurde er von John Edwardes auf der Stelle und ohne mit der Wimper zu zucken “wegen Feigheit” einfach erschossen.

Die Junghunde, welche diesen äusserst rigorosen “Eignungstest” überlebten, wurden als Einjährige einem weiteren “Test” dieser speziellen Art unterworfen: In einem Sack wurde ein noch lebender Iltis über eine gewisse Entfernung durch die Gegend geschleppt und dann in einer Höhle ausgesetzt. Die auf die Iltisspur angesetzten Jährlinge mussten nun der Fährte bis zur Öffnung der Höhle möglichst schnell und temperamentvoll folgen, dann ohne zu zögern in die Höhle eindringen und dort das aufgebrachte wilde und gefährliche Tier erledigen.

John Edwardes wartete am Eingang der Höhle mit seinem Gewehr im Anschlag auf die Hunde, die entweder zu lange warteten oder die zu feige waren, in die Höhle zu kriechen und erschoss diese ohne zu zögern. Die Hunde, welche die Höhle ohne den erlegten Iltis wieder verliessen, erlitten das gleiche brutale Schicksal. Aber auch die anderen Junghunde, die für John Edwardes nicht “fit” genug waren, weil sie eventuell über zuwenig Kraft verfügten oder zu langsame Reflexe hatten, wurden “ausgemerzt” und zwar auf natürliche Weise durch den Iltis.

Durch diese äusserst brutale und heute kaum noch nachvollziehbare “Zuchtauswahl” war es sehr leicht zu verstehen, dass die von John Edwardes gezüchteten Hunde zwar ausserordentlich mutig, gleichzeitig aber auch extrem aggressiv waren.

Obwohl sie ursprünglich für die Jagd auf Dachs, Fuchs und Otter gezüchtet wurden, verfolgten sie so gut wie alles, was ihnen vor die Nase kam: Iltis, Wiesel, Kaninchen und sogar auch Wildkatzen.

Sealyham Terrier jagten auch in der Meute und sind deshalb nicht rauflustig. Da es sich beim Sealyham Terrier um die Zucht eines einzigen Mannes handelte, nahmen nach dem Tod von John Edwardes andere Liebhaber der Rasse die Weiterzucht in ihre Hände.

Trotz der sehr extremen Rassegeschichte gelang es den Nachfolgern John Edwardes, das Wesen des modernen Sealyham Terriers wesentlich zu besänftigen. Einer von diesen Leuten, Fred Lewis, erhielt durch seinen unermüdlichen Einsatz zur Förderung des Sealyham Terriers und durch die Gründung einer Zuchtorganisation den Ehrennamen “Vater der Rasse”, obwohl zweifelsfrei John Edwardes der echte “Vater” der Rasse ist.

Wahrscheinlich blieb ihm diese Ehrung wegen seiner ausserordentlich rücksichtslosen und extrem brutalen Methoden der Zuchtauswahl verwehrt. Im Jahre 1903 nahm der Sealyham Terrier in seiner Heimat in Haverfordwest zum ersten Mal an einer öffentlichen Ausstellung teil, 1911 wurde die Rasse sowohl in England als auch in den USA offiziell anerkannt.

Der britische Sealyham Terrier Club wurde 1908 gegründet, sein amerikanisches Pendant entstand im Jahre 1913. Mittlerweile hauptsächlich als moderner “Showtyp-Sealyham” gezüchtet, eignet er sich heute meistens nicht mehr für seine ursprünglichen jagdlichen Aufgaben.

Er wurde zu schwer und plump und zu reich behaart. Allerdings hielt der Züchter Sir Jocelyn Lucas in den dreissiger Jahren des letzten Jahrhunderts an dem alten, leichten Typ fest. Er verkreuzte den Sealyham Terrier mit Norwich und Norfolk Terriern. Es entstand der sogenannte “Lucas Terrier”, welcher auch heute noch sehr gerne zur Jagd verwendet wird.

Der heutige Sealyham Terrier ist ein angenehmer und fröhlicher Hausgenosse mit den typischen Terriereigenschaften des ausgesprochenen Mutes und der grossen Anhänglichkeit.

Er ist sehr selbstbewusst, tapfer und ausgesprochen selbstsicher, aber zum Glück weitaus friedfertiger als seine Vorfahren. Trotz seiner geringen Grösse kennt der Sealyham Terrier keine Furcht, er ist sehr zutraulich und neugierig.

In ihm steckt der ideale Pausenclown: Humorvoll, fröhlich und immer bereit zum Spielen oder zum Spazierengehen. Der Sealyham Terrier hat für seine geringe Grösse eine volle und tiefe Stimme, die hinter der Tür einen weitaus grösseren Hund vermuten lässt und ihn deshalb zu einen ausgezeichneten Wachhund macht.

Trotzdem ist er freundlich und gelehrig. Der vollbärtige Hund besitzt als ursprünglicher Jagdhund ein bemerkenswertes Durchhaltevermögen und einen immer noch ausgeprägten Jagdinstinkt, sodass er potentielle Beute gegebenenfalls sogar bis unter die Erde verfolgt.

Zudem ist er robust und auch zäh genug, um einen Kampf entschlossen durchzustehen. Um eventuell vorkommenden Schwierigkeiten in bezug auf Aggressivität und Gehorsam vorzubeugen, ist eine faire, aber auch feste Erziehung immer noch der beste Weg.



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