Schottischer Hirschhund
Dezember 15th, 2008 by klaus
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Der Schottische Hirschhund, im englischen Sprachraum als “Scottish Deerhound” bezeichnet, gehört zur FCI-Gruppe 10 der Windhunde und hat seinen Ursprung in Grossbritannien.
Der Rassestandard sieht beim Rüden eine Mindestgrösse von 76 cm vor, Hündinnen sollen wenigstens 71 cm Schulterhöhe aufweisen. Das dabei erwünschte Gewicht liegt zwischen 36,5 und 45,5 kg. Die Rasse zeichnet sich durch ein krausiges Fell mit harten und drahtigen Haaren aus. Die Fellfarbe besteht in der Regel aus Grau- und Falbtönen, es kommen dunkelgrau-blau, dunkles und helles grau, gestromt, gelblich, sandrot oder rot-gelb mit schwarzer Maske und Ohren vor.
Es sind zwar kleine weisse Abzeichen an der Brust und den Zehen zulässig, je weniger es allerdings sind, desto besser. Das Rauhhaar des Schottischen Hirschhundes ist sehr pflegeleicht, es muss nur gelegentlich das abgestorbene Haar ausgekämmt werden.
Die Vorfahren des Schottischen Hirschhundes waren afrikanische Windhunde. Wann diese aber genau auf die britischen Inseln gelangten, ist nicht genau geklärt. Es ist einerseits möglich, dass sie bereits um 1000 v. Chr. mit phönizischen Händlern ins Land kamen, andererseits könnten es auch die Kelten gewesen sein, die diese Hunde mitbrachten, da diese, bevor sie auf die britischen Inseln einwanderten, Bereiche des mittleren Ostens erobert hatten und dort mit grosser Wahrscheinlichkeit Hunde dieser Art erwarben.
Manche Fachleute sehen den Schottischen Hirschhund deshalb auch als den reinsten Nachfahren der Keltenwindhunde an. Fest steht, dass schon vor der Eroberung Grossbritanniens durch die Römer dort grosse Windhunde existierten.
Da die afrikanischen Windhunde mit ihrem kurzen und seidigen Fell grosse Probleme mit dem rauhen Klima Schottlands gehabt haben dürften, ist es nur wahrscheinlich, dass sie mit zotteligen einheimischen Rassen gekreuzt wurden, um so ein wetterfestes Fell zu erhalten. Die klassische schlanke Windhundlinie blieb aber unter dem drahtigen Fell deutlich erhalten.
Auf einem berühmten alten Denkmal, welches aus dem 8. Jahrhundert n. Chr. stammt, dem sogenannten “Hilton of Cadboll-Stone”, sind zwei Hounds zu erkennen, die einen Hirsch angreifen und auch die frühe englische Literatur berichtet von grauen “Hochland.Hounds” mit einem rauhen und langhaarigen Fell. Ursprünglich wurde der Schottische Hirschhund von den verschiedenen Clans für die Grosswild- und Wolfshatz im Hochland gezüchtet.
Da jedoch im feudalen Mittelalter die schottischen Adeligen die anderen für sich arbeiten liessen, hatten sie genug Zeit, um ausgiebig ihrem Hobby, der Hirschjagd zu frönen. Zu dem Zweck legten sie sich grosse Meuten dieser Hunde zu, welche die Hirsche verfolgten und, nachdem sie diese eingeholt hatten, niederrissen. Es wurden sogar entsprechende Gesetze erlassen, die es ausschliesslich den Edelleuten ab dem Rang eines Grafen (Earl) erlaubten, Schottische Hirschhunde zu besitzen. Diese Exklusivität führte einerseits dazu, dass für die Hunde bei der Jagd stets eine ausreichende Anzahl an Hirschen vorhanden war, auf der anderen Seite gab es dadurch natürlich nur recht wenige dieser Hunde.
Folgender Bericht aus dieser Zeit zeigt den damaligen Wert des Schottischen Hirschhundes auf:
“Eine Koppel Deerhounds war die auferlegte Busse, ein zum Tode verurteilter edler Lord konnte sein Leben retten, indem er diese Hunde verkaufte, den Erlös an die Obrigkeit abführte”.
Im Laufe des 18. Jahrhunderts kamen dann drei Faktoren zusammen, die Beinahe zum Aussterben der Rasse geführt hätten. Zunächst führte die Erfindung bzw. die Verbesserung der Feuerwaffen dazu, dass grosse Meuten von Laufhunden nicht mehr für die Jagd benötigt wurden. Zudem ging dadurch auch die Anzahl der Hirsche sehr stark zurück. Des weiteren wurde immer mehr Boden von der Landwirtschaft benötigt, um die immer stärker anwachsende Anzahl der Bevölkerung zu ernähren.
Den Jägern standen nicht mehr die riesigen uneingezäunten Flächen zur Verfügung, die für eine Hirschjagd mit Hounds benötigt werden. Relativ schnell waren solche grossen Jagden fast völlig von der Bildfläche verschwunden. Der dritte Grund war schliesslich die Niederlage der Schotten gegen die Engländer in der Schlacht von Culloden im Jahre 1745 oder 1746. Dadurch brach das schottische Feudalsystem zusammen und die Clans wurden aufgelöst, sodass die Schottischen Hirschhunde neben ihrer Aufgabe auch ihre Förderer verloren hatten und ihre Weiterzucht ernsthaft bedroht war.
Ihr Überleben verdankt die Rasse in erster Linie den Brüdern Archibald und Duncan (später: Lord Colonsay) McNeill, die um 1800 beschlossen, die Rasse wiederzubeleben.
Zu dem Zwecke suchten sie nach guten Einzelexemplaren und begannen dann eine sehr sorgfältige Zucht mit dem Ziel, das verlorengegangene alte Ideal wieder zu erreichen. Das ihre Bemühungen von Erfolg gekrönt waren, zeigt sich schon allein daran, dass man die Zeit ihres Wirkens heute als das “Colonsay Revival” bezeichnet. Nachdem die Anzahl an Schottischen Hirschhunden langsam wieder anstieg, sorgten einige englische Persönlichkeiten für ein verstärktes Interesse an dieser Rasse.
Der bekannte englische Dichter Sir Walter Scott, welcher alles Schottische romantisch beleuchtete, nannte seine Schottische Hirschhündin “Maida” “das perfekte Geschöpf unter dem Himmel”. Nach ihren Tod erhielt sie einen Grabstein auf ihren Grab, auf dem stand: “Unter der in Stein gehauenen äusseren Form, die Du bis zuletzt trugst, ruhe sanft, Maida, vor der Tür Deines Herrn”.
Im 19. Jahrhundert verewigte der bekannte Hundemaler Sir Edwin Landseer den Schottischen Hirschhund auf mehreren Gemälden. Dabei versuchte er “alles Wesentliche dieser Rasse einzufangen: Liebenswürdigkeit, Kraft, Würde und Mut”. Auch die englische Königin Viktoria hielt einen Schottischen Hirschhund und wurde schliesslich zur Schutzherrin der Rasse. I
hr Interesse an diesen Hunden führte dazu, dass die Beliebtheit der Schottischen Hirschhunde stetig anstieg und die Rasse schliesslich dadurch vor dem Aussterben gerettet wurde. Auf der ersten “Westminster Kennel Club-Show” im Jahre 1877 waren neun Exemplare der Rasse gemeldet, zwei davon gehörten Königin Viktoria und wurden auch zum Verkauf angeboten. Für die für damalige Verhältnisse gewaltige Summe von 10.000 Pfund pro Hund wechselten die Tiere dann ihren Besitzer. Während der Regentschaft Königin Viktorias gelangten gegen Ende des 19. Jahrhunderts auch die ersten Hunde nach Nordamerika. 1888/89 wurden in Kanada insgesamt sieben Schottische Hirschhunde eingetragen.
Als während des zweiten Weltkrieges viele Hundebesitzer in Grossbritannien ihre grossen Hunde aufgrund der Nahrungsmittelknappheit einschläfern liessen, versuchte die Züchterin Norah Hartley aus Petersborough hartnäckig, ihre Schottischen Hirschhunde am leben zu erhalten. Einem zuständigen Inspektor, der wahrscheinlich das Einschläfern sicherstellen sollte, erwiderte sie: “Eine Menge Menschen hat ihre grossen Hunde einschläfern lassen, aber ich tue das nicht, bis ich absolut muss.
Legen sie eine Patronentasche auf das oberste Regal, es reicht für jeden der Rotherwoods (der Name ihres Zwingers), der noch da ist, wenn der Tag kommt, da ich sie benutzen muss. Wenn ich sie wirklich nicht mehr füttern kann, werde ich sie erschiessen. So lange ich sie aber ernähren kann, werde ich sie schützen”. Glücklicherweise konnte sie die Patronen auf dem Regal liegen lassen. In der heutigen Zeit gibt es Liebhaber der Rasse auf beiden Seiten des Atlantiks. Da diese grossen Hunde jedoch enorme Futterkosten verursachen und zudem sehr viel Platz benötigen, ist ihre Anzahl relativ beschränkt.
Sie sind fast immer am Ende der Eintragungen der verschiedenen Zuchtorganisationen zu finden, was ihre Liebhaber allerdings durchaus zufrieden stellt, denn dadurch besteht nicht die Gefahr von Zuchtübertreibungen. Allerdings besteht auf keinem Fall mehr die Gefahr, dass die Rasse aussterben könnte. Einer grossen Öffentlichkeit wurde die Rasse bekannt durch den Film “Jenseits von Afrika” mit den Hunden der Hauptperson, Karen Blixen.
Der Schottische Hirschhund ist ein sensibler Hund in einer rauhen Schale. Er ist zärtlich und gehorsam, dabei aber niemals aufdringlich. Im Haus verhält er sich leise, er rollt sich ruhig in den Schlaf oder geht auf Zehen durch das Haus. Draussen dagegen kann er sein Temperament und sein Hetzhundeerbe ausleben.
Als ein robuster Langstreckenläufer braucht er mindestens eine Stunde täglich, um abwechselnd zu traben und zu galoppieren, ansonsten könnte seine körperliche und geistige Verfassung leiden. Der Schottische Hirschhund hat das freundliche und ruhige Wesen der Windhunde in sich.
Die Aufzucht dieser grossen Hunde ist leider sehr teuer und aufwändig, die Haltung eines erwachsenen Tieres dagegen ist recht einfach, vorausgesetzt, man kann dem Hund den ausreichenden Platz, Bewegung und Nähe zu seinem Herrn bieten. Man sollte ihm die Möglichkeit geben, an Windhunderennen teilzunehmen, damit er das tun kann, wofür er ursprünglich gezüchtet wurde: In vollem Lauf hinter einem Ziel herjagen.
Zugleich hat man so auch die Möglichkeit, den Jagdinstinkt der Rasse zu testen. Ansonsten sollten ihm ausgedehnte Spaziergänge oder Ausritte angeboten werden. Der Schottische Hirschhund ist sehr treu, er betet seine Familie nahezu an. Wenn man ihm den richtigen Lebensraum bieten kann, ist er der ideale Haushund.
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