Pyrenäenberghund
Mai 29th, 2008 by klaus
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Bildquelle: Familie Mordhorst
Der Pyrenäenberghund wird zur FCI-Gruppe 2 der Molosser gezählt und stammt ursprünglich aus Frankreich. Seinen Namen verdankt er seiner Heimat, dem Pyrenäengebirge, welches Frankreich und Spanien trennt.
Rüden sollen laut Rassestandard mindestens 70 cm gross sein, Hündinnen dagegen sollen nicht unter 65 cm Schulterhöhe aufweisen.
Das erwünschte Minimalgewicht beträgt dabei 40 – 50 kg. Das Fell des Pyrenäenberghundes besteht aus einer dichten Unterwolle mit dünnem Haar und einem langen und dichten Deckhaar mit harschen Haaren.
Bei der Farbe herrscht ein reines weiss vor, aber auch weiss mit hellgelben, wolfgrauen oder dachsfarbenen Abzeichen am Kopf ist erlaubt. Damit der Hund stets gepflegt aussieht und die glänzende Erscheinung des langhaarigen und derben Fells erhalten bleibt, aber auch um den Hund insgesamt gesund zu erhalten, ist eine regelmässige Fellpflege unbedingt notwendig.
Die genaue Entstehungsgeschichte dieser Rasse ist nicht bekannt. Allerdings wurden Knochenreste gefunden, die aus der Bronzezeit (1800 – 100 v. Chr.) stammen und diesem Rassetyp entsprechen.
Diese als Moorhunde bezeichneten Tiere lebten bereits in vorhistorischer Zeit in diesem Gebiet. Man nimmt an, dass es dann zu Einkreuzungen mit dem Tibet Mastiff kam, der vor mehr als 1000 Jahren aus Asien ins Land kam.
Fest steht, dass es ebenfalls seit über 1000 Jahren grosse Herdenschutzhunde in Frankreich gibt und das in den Pyrenäen bereits seit mehreren Jahrhunderten solche Hunde zum Schutz der Schafherden vor streunenden Bären und Wolfsrudeln eingesetzt wurden.
Während des 15. Jahrhunderts setzte man diese Hunde vermehrt als Wachhunde ein, als eigentlicher Entdecker der Rasse gilt der vorrevolutionäre französische Adel, der sie vor der französischen Revolution als Bewacher ihrer Schlösser speziell in Südfrankreich benutzte.
Unter dem sogenannten “Sonnenkönig” Ludwig XIV. wurde der Pyrenäenberghund dann richtig populär, er liess beispielsweise den Louvre in Paris von ihnen bewachen und ernannte die Rasse schliesslich zum “Königlichen Hund Frankreichs”.
Als mit der französischen Revolution von 1789 der Adel entmachtet wurde, ging auch zwangsläufig die Popularität des Pyrenäenberghundes zurück. Selbstverständlich wurde der Hund aber auch weiterhin von den Bauern als Herdenschutzhund verwendet.
Neben den körperlichen Merkmalen wie etwa Grösse und Stärke, gutem Hörvermögen und grossen Pfoten, welche die Trittsicherheit im Gebirge gewährleisteten, wurden die Charaktereigenschaften der Rasse als fast noch wichtiger angesehen.
Der Hund muss sich eng an die Schafherde binden und sie um jeden Preis vor Angreifern schützen. An selbständiges Handeln gewöhnt und hauptsächlich in der Nacht aktiv, beobachtet der Hund die Herde von einer übersichtlichen Stelle aus und greift Feinde sofort an.
Fremden gegenüber ist er misstrauisch bis scharf, aber wenn der Besitzer den Fremden hereinlässt, wird er auch vom Hund akzeptiert.
Falls diese Eigenschaften bei einem Hund nicht zu erkennen waren, wurde er ausgesetzt, getötet oder für möglichst viel Geld an einen Fremden verkauft, für den diese Wesensmerkmale nicht von so grosser Bedeutung waren.
Ihre körperlichen Eigenschaften prädestinierten sie auch zum Schmuggeln zwischen Frankreich und Spanien. Man bepackte die enorm grossen Hunde mit Schmuggelgut und ihre Trittfestigkeit ermöglichte es ihnen, für Menschen unpassierbare Routen in den steilen Pyrenäenbergen entlang zu laufen.
Durch baskische Fischer gelangten frühe Exemplare der Rasse auch an die Ostküste Kanadas, wo sie sich mit den einheimischen Apportierhunden kreuzten und so die genetische Grundlage für so bekannte Rassen wie dem Neufundländer und dem Landseer legten.
Als die Rasse zu Beginn des 20. Jahrhunderts vom Aussterben bedroht war, machte sich der französische Kynologe Bernard Senac-Lagrange um die Rettung des Pyrenäenberghundes verdient.
Er suchte im Gebirge gute Tiere und sammelte diverse Restexemplare, ausserdem verfasste er den ersten schriftlich niedergelegten Rassestandard. Er war von der Rasse so sehr angetan, dass er einmal sagte:
“Nur die echten Vertreter der Rasse besitzen diesen bezaubernden, nur sehr schwer definierbaren Augenausdruck, sowohl distanziert wie liebkosend, aufmerksam und dabei ein wenig traurig. Schaust du in diese Augen, erkennst du ihre ganze Seele.”
Bereits kurze Zeit später gelangten die ersten Pyrenäenberghunde nach Amerika, wo sie im Jahre 1933 vom AKC als eigenständige Rasse anerkannt wurden. Während des zweiten Weltkrieges diente die Rasse in der französischen Armee als Meldehund sowie als Lasttier zum Transport von Material.
Gelegentlich wurde er auch als Kriegshund in die Schlacht geschickt, wobei er häufig ein mit Stacheln bewehrtes Halsband trug. In Amerika dagegen hielt man sie für zu gross für den Militärdienst. Statt dessen versuchte man dort, sie als Lasttiere für eine mögliche Expedition nach Alaska auszubilden.
Da diese Idee jedoch niemals verwirklicht wurde, hatte man für den Pyrenäenberghund nun keine Verwendung mehr und so wurde er “in Ehren” aus dem Dienst entlassen. Da er aber immer noch ein sehr schöner Ausstellungshund war, begann man nun, die Rasse einem Wesenswandel vom starken und misstrauischen Herdenschutzhund zum freundlichen Ausstellungshund in Form eines “sanften Riesen” zu unterziehen.
Allerdings wird die Rasse aufgrund ihrer Grösse und ihrer überragenden Fähigkeiten immer noch sehr oft als Herdenschutzhund verwendet und besonders die Hunde, die eine direkte Abstammung aus den Pyrenäen aufweisen, zeichnen sich immer noch durch die typische ausgeprägte Selbständigkeit und Wachsamkeit aus.
So entbehrt auch die Annahme, die Rasse sei durch Ausstellungen ruiniert worden, jeder Grundlage. Die heutigen Viehbesitzer lassen die Welpen bis zum Alter von sechs Monaten voll mit der Schafherde zusammenleben und gewöhnen die Hunde sehr früh an die Herde.
So beginnen die Hunde selbständig, die Herde zu schützen, sind aber freundlich zu allen Haustieren und anderen Hunden.
Mittlerweile ist der Pyrenäenberghund für seine Gutmütigkeit allgemein bekannt. Er ist freundlich und folgsam und seiner Familie treu ergeben. Gleichwohl ist er in der Lage, Haus und Heim zu schützen. Innerhalb der Familie ist er sehr anschmiegsam und geduldig mit Kindern.
Allerdings braucht er eine konsequente und einfühlsame Erziehung und muss unbedingt in das Familienleben eingegliedert werden. Aufgrund seiner Grösse braucht der Pyrenäenberghund grosse Mengen an Futter und sehr viel Auslauf.
Er liebt den Aufenthalt im Freien, wo er sich eigentlich viel wohler fühlt als im Haus.
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