Afghanischer Windhund
Juli 20th, 2008 by klausDer Afghanische Windhund wird zur FCI-Gruppe 10 der Windhunde gezählt und hat seinen Ursprung in Afghanistan.
Er ist ebenso unter dem Namen “Kabul-Hund” bekannt und wird in seiner Heimat nicht nur als Nationalhund verehrt, sondern auch als “Tazi” bezeichnet. Dieser Name verweist auf eine sehr wahrscheinliche Verwandtschaft zum gleichnamigen “Tasy of Russia”, welcher aus dem an Afghanistan grenzenden Südrussland stammt.
Der des öfteren einfach nur kurz “Afghane” genannte Hund hat dem Rassestandard folgend beim Rüden eine ideale Grösse von 68 bis 74 cm, die Hündinnen sollen eine Schulterhöhe von 63 bis 69 cm aufweisen.
Dabei wird ein Gewicht erwünscht, welches zwischen 23 und 27 kg liegen soll. Der Afghane hat ein sehr langes und gerades Fell mit dicken und seidigen Haaren, die im Gesicht und am Rücken etwas kürzer sind.
Dieses lange Haar entwickelte der Afghanische Windhund, um sich so vor der extremen Kälte der afghanischen Berge und des Mittleren Ostens optimal schützen zu können. Es sind alle Fellfarben zugelassen, allerdings sind weisse Abzeichen am Kopf nicht erwünscht. Selbstverständlich benötigt ein solch imposantes und elegantes Haarkleid eine besonders intensive Pflege.
Häufiges, gründliches Durchkämmen sind unbedingt notwendig, da ein kaum gepflegter Hund nicht nur unschön aussieht, sondern sich auch nicht wohl fühlt. Zudem gibt es noch einige spezielle Anforderungen an das Fell, wie etwa den seidigen Schopf auf dem Kopf, auch “topknot” genannt und den sehr kurzhaarigen Rückensattel, welcher sich allerdings erst beim ausgewachsenen Tier herausbildet.
Es ist auch erlaubt, dass sich an den Pfoten kurzhaarige Manschetten bilden. Der Afghanische Windhund hat eine aufrecht getragene Rute mit einem auffallenden geringelten Ende, welches sich als ein hervorragendes Erkennungszeichen bei der Jagd im dichten Unterholz erwies.
Beim Afghanischen Windhund handelt es sich erwiesenermassen um eine sehr alte Rasse, dass aber ein Afghane der Hund gewesen sei, den Noah mit auf seine Arche nahm, dürfte eher aus dem Reich der Märchen und Legenden stammen.
Allerdings ist schon auf afghanischen Malereien, welche 4000 Jahre alt sind, dieser Hund zu sehen und auch ein aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. stammender griechischer Wandteppich zeigt einen Afghanen. Man nimmt an, dass der Afghanische Windhund seinen eigentlichen Ursprung im Gebirge Sinai hat bzw. zu den Windhunden zählt, die von Nordafrika aus in die Berge Afghanistans eingewandert sind.
Die Windhunde, welche bereits ein langes Fell besassen, erwiesen sich für die kalte Luft in den Gebirgen als besonders geeignet und wurden aus diesem Grunde weitergezüchtet. So entstand mit der Zeit der Afghanische Windhund und verbreitete sich entlang der Handelsstrassen nach Afghanistan bis nach Indien.
Man benutzte sie sowohl zum Hüten von Schafherden als auch zur Jagd von Hasen, Antilopen und Gazellen über Füchse bis hin zu Wölfen und Schneeleoparden. Dabei jagten die Hunde meistens selbständig einzeln, zu zweit oder in der Meute.
Ausserdem wurde er vom afghanischen Adel sehr geschätzt und von ihnen gerne zur Jagd mit dem Falken eingesetzt. Der Verkauf des Nationalhundes in andere Länder war lange verboten, sodass erstmals gegen Ende des 19. Jahrhunderts Afghanische Windhunde mit britischen Offizieren nach England gelangten.
Der allererste Afghane soll im Jahre 1886 in Grossbritannien angekommen sein und als im Jahre 1907 der englische Captain Banff im Crystal Palace von London seinen importierten Afghanen “Zardin” ausstellte, siegte dieser sogleich und löste damit ein sehr grosses Interesse an dieser imposanten und exotischen Rasse aus.
So dauerte nur kurze Zeit, bis es in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts in England bereits ein ausgezeichnetes eigenes Zuchtprogramm gab. Man züchtete zunächst zwei Typen, den Wüstentyp (Bell-Murray) und den Gebirgsafghanen (Ghazni), allerdings war der Wüstentyp weniger attraktiv und ging bereits nach kurzer Zeit im Gebirgsafghanen auf.
In die USA wurde der Afghane allerdings erst im Jahre 1926 eingeführt, die Anerkennung als eigenständige Rasse durch den AKC erfolgte wenig später in den dreissiger Jahren. Etwa zur gleichen Zeit gelangten dann auch die ersten Afghanischen Windhunde nach Deutschland.
Heutzutage sind Afghanen vielfach ausgezeichnete Ausstellungshunde und sind dort zumeist in einer grossen Anzahl anzutreffen, als Haushunde jedoch haben sie es nie zu einer solchen Popularität geschafft.
Aber auch als Jagdhunde zur Jagd mit dem Falken werden sie noch vielerorts verwendet. Sie besitzen immer noch eine sehr stolze Ausstrahlung, von der ein Liebhaber einmal sagte: “Auf einen Blick kann man die östliche Unergründlichkeit erkennen, die Überzeugung erfassen, dass sie wirklich königlichen Geblüts sind, die Gewissheit, dass sie noch über den andern Hunderassen stehen”.
Der Afghanische Windhund ist eigenwillig, stolz und unabhängig, was besonders gut in seinem unnahbaren, exotischen Gesichtsausdruck zu erkennen ist. Er heischt zwar nie um besondere Zuneigung, ist aber sehr empfindsam und würde schnell zugrunde gehen, wenn er vernachlässigt werden würde.
Als Besitzer eines Afghanen sollte man sehr viel Verständnis aufbringen können, denn obwohl sie heutzutage als durchaus leicht erziehbar gelten, haben die konventionellen Erziehungsmethoden bei ihm nicht immer den gewünschten Erfolg. Zuweilen strahlt er eine gewisse Teilnahmslosigkeit aus und man sagte ihm früher sogar nach, dass er unzuverlässig sei.
Gleichwohl zeigt er besonders beim Spielen sein vorhandenes Temperament und sein lebhaftes Wesen. Da er als Windhund einen sehr starken, angeborenen Hetztrieb besitzt, ist es so gut wie unmöglich, ihn unangeleint laufen zu lassen.
Da er aber selbstverständlich enorm viel Auslauf und Bewegung benötigt, lässt man ihn am besten an Windhunderennen oder am Coursing teilnehmen.
Posted in Rasseportrait |